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Sieben Monate
proT-the-whole-acts!

 
 

4 Verhältnisse von Film zu Theater

 
Nach den ersten sieben Monaten unserer neuen Youtube Seite proT-the-whole-acts präsentieren wir hier die 3 erfolgreichsten Filmkompositionen und die neueste Filmkomposition auf dieser Seite.
Wir zeigen dabei, wie vier unterschiedliche Prozesse zu diesen vier verschiedenen Filmkompositionen führen. Dabei verändert sich immer das Verhältnis von Theaterkomposition und Filmkomposition und öffnet dadurch immer wieder den Weg zu neuen Konsistenzebenen, aus denen dann gänzlich verschiedene Theater- und Filmkompositionen entstehen. Dabei verändert sich auch immer das Verhältnis zwischen Film und Theater, was dadurch zu neuen Unmittelbarkeiten im jeweiligen Medium führt:
 
  1. Zahltag der Angst - Intensitäten
    Film auch für Kino
    Aus derselben Konsistenzebene entstehen unabhängig voneinander eine Filmkomposition und eine theatrale Komposition.
     
  2. Siegfrieds Tod
    Theaterfilm
    Unmittelbares Theater als Ereignis für Film. Aus dem Theaterereignis entsteht ein Theaterfilm.
     
  3. Weisses Fleisch
    Unmittelbarer Film

    Der Unmittelbare Film und das Unmittelbare Theater entstehen gleichzeitig. Die beiden Kompositionen beeinflussen einander, sind aber in ihren Abläufen von einander unabhängig.
     
  4. Sieben deutsche Himmelsrichtungen
    Synchronisator +

    Der Synchronisator entsteht vor den theatralen Abläufen an weit auseinanderliegenden Gegenden. Gleichzeitig ist er jedoch einer dieser Abläufe und bestimmt diese mit. Unabhängig davon ist er eine filmische Komposition.
 
 

1.

 
 

Zahltag der Angst - Intensitäten


über 215.800 Klicks in 7 Monaten

 
 
Unter dem Titel Zahltag der Angst entstehen 1981 im proT die theatrale Komposition Zahltag der Angst und gleichzeitig die Filmkomposition Zahltag der Angst. Beide Produktionen sind von Alexeij Sagerer komponiert aus Intensitäten und entstehen in einem Prozess, der auf derselben Konsistenzebene stattfindet. Trotzdem werden keine Intensitäten doppelt benützt, das heisst es entstehen keine Filmbilder, die aus den theatralen Abläufen stammen oder umgekehrt. Dabei läuft ein anderer künstlerischer Prozess als 2006-2016 in der Horizontalen "Programm Weiss" und dem "Unmittelbarem Film".
 
 
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Zahltag der Angst - Intensitäten


Film auch für Kino - U-Matic Highband - Farbe/Ton - 00:31:16 Std. - Prod. proT - 1981
 

 

 
Der Film Zahltag der Angst - Intensitäten ist auf U-Matic Highband gedreht, also "Videokunst". Gleichzeitig ist er aber auch wie "Kino" gedacht. Er entsteht während der Arbeit an der Theaterproduktion "Zahltag der Angst - Vorwurf auf den Tieger von Äschnapur Unendlich". Gleichzeitig ist er eine von der Theaterproduktion unabhängige Komposition aus 51 kurzen Filmen von jeweils 31 Sekunden. Zahltag der Angst - Intensitäten konfrontiert die "Intensität" verschiedener Unmittelbarer Bewegungen, Materialien und Inhalte miteinander: Personen, Gegenstände, Farben, Licht, Musik, Geräusche, Sprache, Texte, Abläufe. Von Juni 1982 bis März 1983 ist Zahltag der Angst - Intensitäten Teil der Videoausstellung "Videokunst in Deutschland 1963 - 1982" (Ausstellungsorte: Kölnischer Kunstverein, Badischer Kunstverein Karlsruhe, Kunsthalle Nürnberg, Städtische Galerie im Lenbachhaus München, Nationalgalerie Berlin).
Drei Frauen: Cornelie Müller, Brigitte Niklas, Agathe Taffertshofer. Eine Stimme: Telse Wilhelms. Interview: Alexeij Sagerer mit Herrn Lazarowicz, dem Leiter des Theaterwissenschaftlichen Instituts der Ludwig-Maximilian-Universität in München. Videotechnik: Vips Vischer. Ein Film von Alexeij Sagerer.
 
 

MÜNCHEN Montag, 19. Oktober 1981

 

Mit nackter Haut


"Zahltag der Angst" von Alexeij Sagerer im proT

In seinem Theater mag Alexeij Sagerer nicht mehr spielen: da hat er diesmal einen Warteraum wie für das Nachtlager von Granada eingerichtet. Der "Zahltag der Angst" ereignet sich wieder, wie sein letztes Opus "Münchner Volkstheater", im ehemaligen Foyer des proT. Die Stühle für die Zuschauer sind schön an der Wand entlang aufgereiht: So hat jeder alle anderen und zumindest eines der Fernsehgeräte im Blickfeld. Der Anti-Theatermacher Sagerer hat ja nie nur Theater gemacht, sondern von Anfnag an auch ("Comic"-)Filme: jetzt, mit der Videokunst, bringt er beides zusammen. Da kann er die "Wirklichkeit" in den "Kunstraum" holen. Tabuisierendes, die Schamgrenzen Überschreitendes oder recht komische professorale Theaterdialogdokumente. Mit seinen Videos kann er seine geschichtenverweigernde Theaterphantasie durchbrechen, nach außen fortschreiben und fortträumen.
 
In "Zahltag der Angst" versetzt Sagerer die Zuschauer mit Urweltpaukenklängen und rasenden Lichtbändern mitten hinein in den "Krieg der Sterne": Rüstungsträger trippeln durch den Raum, holde Wesen schweben mit Leuchtröhren vorbei, die Farben jagen sich wie bei einer Lichtreise ans Ende der Dinge. Langsam entstehen dann "Bilder", kommen Figuren ins Spiel, indem Sagerer - zuerst als Schlagzeuger im Rollstuhl von zwei Krankenschwestern in den Raum gebracht - wieder kräftig und mit phantasievollem Ingrimm gegen die konventionellen Theaterphilosophien zu Felde zieht: indem er das professionelle Theater-Abc verweigert, eben nicht Schauspieler einen vorgegebenen Text vor Zuschauern spielen lässt und trotzdem und gerade nichts als Theater bietet - in wunderlich schönen Bildern. Etwa wenn Agathe Taffertshofer mit einem Kerzenleuchter zu Maria Callas' zersprungen gesungener Bellini-Arie wie im Traum tanzt. Oder in sehr komischen Szenen, wenn Sagerer selbst demonstriert, was Playback bedeutet. Kaugummikauend und mit seinen sehr langen Haaren im Kampf tritt er vors Mikrophon, bekleidet nur mit einer Trachtenlederhose und einem Cassettenrecorder; den hält er ans Mikrophon, lauscht kenntnisreich und mit Stolz den Klängen und gestaltet die Nummer mit erfühlten Placierungen des Recorders vor dem Mikrophon. Ein Auftritt, der diesem Theaterdenker und Volksschauspieler wie "auf den Leib geschrieben" ist. Was das aber wirklich bedeutet, das demonstriert er dann genüsslich an seiner Mannschaft auf nackter Haut.
 
Sagerer und sein proT haben sich weit abgesetzt von übrigen Münchner Theatern - auch vom FTM. Ganz auf sich allein gestellt, zieht man in diesem kleinen Kellertheater gegen den Rest der Welt und fürchtet sich nicht.
 
THOMAS THIERINGER
 
 
Film auch für Kino

Zahltag der Angst - Intensitäten

 

2.

 
 

Siegfrieds Tod


Unmittelbares Theater als Ereignis für Film

über 5.400 Klicks in 7 Monaten

 
 
Siegfrieds Tod wird bereits bei seiner Entstehung wie ein "Film" gedacht und tritt dadurch aus dem Genre der "TheaterDoku" heraus und nähert sich der Intensität eines "Unmittelbaren Filmes". In gewisser Weise macht er dadurch auch Filmproduktionen wie "live-film" und "Unmittelbaren Film" vorstellbar.
 
Siegfrieds Tod ist eine Arbeit aus der Aufzeichnung von Siegfrieds Tod - Nibelungen & Deutschland Projekt Horizontale III-2 am 27. Oktober 1993 in der Muffathalle in München. Gedreht wird mit 2 Kameras und Mikros im Publikum. Dem Schnitt steht ausserdem der eingespielte Video-Synchronisator "Sieben Deutsche Städte" zur Verfügung. Der Theaterfilm ist digital bearbeitet und mit Titeln.
 
 
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Siegfrieds Tod


Theaterfilm - U-Matic-Mutter - Farbe/Ton - 00:56:05 Std. - Produktion proT - 1994
 

 

 
Theaterfilm - Siegfrieds Tod - Nibelungen & Deutschland Projekt Horizontale III-2, Aufführung 27. Oktober 1993, Muffathalle München. Gedreht mit 2 Kameras im Publikum - geschnitten mit dem Synchronisator "Sieben Deutsche Städte" - digital bearbeitet - mit Titel.
 
Unmittelbares Theater als einmaliges Ereignis! Die Situation: 7 Performance-Künstlerinnen in einer Allee aus 7 Videotürmen. Auf den Monitoren der Synchronisator der 7 deutschen Städte, gedreht von Ost nach West: Dresden, Berlin, München, Hamburg, Stuttgart, Frankfurt, Düsseldorf. Das Publikum bewegt - auf einer Performance-Straße. Performerinnen: Silvia Ziranek, London. Hanna Frenzel, Berlin. Siglinde Kallnbach, Kassel. Regina Frank, Berlin. Jana Haimsohn, New York. Nina Hoffmann, Berlin. Natalia Pschenitschnikowa, Moskau. Kamera: Christoph Wirsing, u.a.. Ein Film von Alexeij Sagerer.
 
 
tz vom 29.Oktober 1993
SIEBEN MAL SIEBEN. "Siegfrieds Tod" in der Muffathalle

Vom verkabelten Nibelung und seinen sieben Verführerinnen: In der Muffathalle machte Alexeij Sagerer ein Ende mit Siegfried. "Siegfrieds Tod" heißt der neueste Teil seines Nibelungen & Deutschlandprojekts und es ist der bisher aufwendigste und grandioseste Teil. (...) Jede Performerin hat das Thema in eigener Sprache verarbeitet, gespielt wird gleichzeitig. Meist spiegelt sich - es spielen Frauen - Siegfrieds Tod in Brünhildes Reaktion. Erstarrung: Hanna Frenzel läßt sich in einer durchsichtigen Röhre mit Salz verschütten; Nina Hoffmann bepinselt sich mit heißem Wachs, bügelt es dann platt - das großartigste Bild des Abends. Dagegen das wilde, sich sinnlos drehende Aufbegehren: Jana Haimsohn hüpft und tänzelt atemberaubend wie ein Perpetuum mobile und Sieglinde Kallnbach übergießt sich nackt mit Tierblut, schleudert Fleischstücke gegen ein Hakenkreuz. Dazu die wunderlich schönen Flötenklänge von Natalia Pschenitschnikova, die sich mit den Videos deutscher Städte, mit den Schreien, Tönen, Gesängen und dem Licht mischen zu einem totalen Theaterereignis. - Sagerer ist der letzte Dinosaurier des Münchner Theaterlebens, er hat immer wieder etwas zu sagen und je größenwahnsinniger und phantastisch-ausufernder er losschlägt, umso schöner ist sein Theater: Eine Sucht.
Reinhard J. Brembeck
 
 

 

 

 

 

 

 
Das Ereignis erhält seine Spannung dadurch, daß jede Performerin auf ihrer eigenen künstlerischen Vorgehensweise besteht, auf ihre eigene künstlerische Kraft vertraut und sich in einem vorgegebenen und sich im Ablauf ereignenden Kraftfeld (in einem formalen und inhaltlichen Milieu) behauptet. Jede Künstlerin bringt ihr eigenes Milieu mit, und bezieht sich rhythmisch auf das Gesamtmilieu.
 
Die sieben Künstlerinnen präsentieren sich mit eigenen Arbeiten im proT.
Siglinde Kallnbach: DEUTSCHLAND DEN DEUTSCHEN
Hanna Frenzel: CHRONOS
Regina Frank: DIE KÜNSTLERIN IST ANWESEND, UMZÜGE
Silvia Ziranek: THE NEVER MERE MOTIF
Natalia Pschenitschnikowa: LUNGENMUSIK
Jana Haimsohn: DARE
Nina Hoffmann: OHNE TITEL
 
 
HYBRID - THE INTERNATIONAL CROSS-ARTFORM, dec 1993 / mar 1994
proT. SIEGFRIEDS DEATH - Nibelung & Germany Project (III-2) Muffathalle Munich

(...) Particularly impressive were the final two contributions, accompanying Frankfurt and Dusseldorf: Nina Hofmann turned herself into a living wax sculpture with the help of a cauldron of hot wax, a tarring brush and a hot iron, and Natalia Pschenitchnikova from Moscow improvised with voice and flute in her Lung Music, reacting with immense subtlety and energy not only to the other performers but also the towers of flickering video images. Shot in the seven cities at seven different times of day, Sagerer/Siegfried is seen in this sequence of short films processing across reunified Germany from East to West with a red cross on his back, foreshadowing both his own imminent death and Kriemhild's subsequent revenge. A brief clip from Lang's Siegfried brought this full-blooded and compelling station of Sagerer's ongoing Nibelung and Germany Project to a fitting conclusion.
Martin Brady
 

Siegfrieds Tod


Nibelungen & Deutschland Projekt (III-2), Muffathalle München, 27. Oktober 1993
 

NIBELUNGEN & DEUTSCHLAND PROJEKT


Theaterproduktion in 11 Teilen (12.02.1992 – 31.12.1998)
 

3.

 
 

Weisses Fleisch


Programm Weiss - Unmittelbarer Film


über 1.070 Klicks in 5 Monaten

 
 
Eine rote Bühnenfläche. Darauf ein schwarzer Raum. Das Publikum auf schwarzen Stühlen. Auf der Bühne grosse Bottiche mit weisser Farbe und Maschinen für die Bewegung von roten Fleischteilen. Männer an den Maschinen. Eine Handlung mit weichen roten Körpern geht über in eine Handlung mit glatten weissen Oberflächen, „weisse Skulpturen“. Im schwarzen Raum. Eine Frau kleidet sich weiss. Und badet in Rot. Im Weiss auf roter Bühne beginnt das Fleisch sich selbst zu repräsentieren. Und simultan dazu übernimmt im schwarzen Raum der weisse Repräsentationskörper des Fleisches, des Fleisches rote Körperlichkeit.
 
 
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Weisses Fleisch


Unmittelbarer Film - DV-SD - Farbe/Ton - 01:15:34 Std. - Produktion proT - 25.02.2012
 

 

 
Der Unmittelbare Film Weisses Fleisch entsteht mit dem Film- und Theaterprojekt Weisses Fleisch am 25. Februar 2012 in der Muffathalle in München. Männer auf roter Bühne: Richard Hoch, Michael Varga. Frau im verborgenen schwarzen Raum: Juliet Willi. live-Bildschnitt: Patrick Gruban. Externe Filmkameras: Ilona Herbert, Anja Uhlig. Kamerabild verborgener Raum: Alexeij Sagerer. live-Filmton-Regie: Andreas Koll. Tontechnik: Oliver Künzner. Ein Film von Alexeij Sagerer.
 
 

 
Bei Weisses Fleisch geht es um Komposition. Um Komposition als Anfang und Ende. Um Körper. Wandlung und Deformation. Fleisch. Knochen. Bau. Komposition. Ein Pferdekörper fährt ins Licht. Ohne Fell. Weich. Gabelstapler. Töne. Geräusche. Der Körper hängt an den Vorderbeinen. An der Gabel. Offen. Der Kopf hängt über dem Hals. Mit Fell. Alles bewegt sich. Zwei Männer. Schwarz. Eine rote Struktur. Holz. Körper. Bühne. Darauf schwarz ein verborgener Raum. Schmal. Hoch. Ein Mann auf der Bühne. Messer. Säge. Trennt Körperteile ab. Immer wieder. Deformation. Auflösung. Das Pferd fährt um die rote Bühne. Stationen. Wandlung. Die wachsende Präsenz der Geräusche. Sechs Körperteile liegen auf der roten Bühne. Der Kopf weiter am Gabelstapler. Beide Männer auf der Bühne. Die Körperteile werden gehängt. Permanente Komposition. Und jetzt Weiss. Grundfarbe der Repräsentation. Die Geräusche wiederholt. Verzerrt. Tosend. Die Körperteile werden in weisse Farbe getaucht. Der Kopf zuletzt. Neukomposition. Weisse Skulpturen hängen über Rot. Im Zentrum der schwarze Raum.
 

 
Und gleichzeitig im verborgenen Raum. Schwarz. Rote Farbe in roter Wanne. Davor die Frau. Nackt. Sie beginnt ihren Körper zu bekleben. Mit weissen Hostien. Und die weissen Hostien bedecken den Körper. Und werden erneut Körper. Und die Frau steigt in die Wanne mit roter Farbe. Langsam. Und der Körper bekleidet mit den weissen Hostien wird rot. Und die Hostien werden rot. Und die Frau legt sich in die rote Farbe und taucht darin unter. Und auch der Kopf taucht ein ins Rot. Deformation und Wandlung. Und alles wird ein Körper. Die weissen Repräsentationskörper und der nackte Körper der Frau und die rote Farbe. Komposition. Und die Frau steigt wieder aus der Wanne. Und sie ist eine nackte Skulptur. Feucht und rot glänzend. Und mit roten Fetzen von Hostien auf der Haut.
 
 

Montag, 27. Februar 2012
 

Zerlegt


Alexeij Sagerers Projekt 'Weisses Fleisch' in der Muffathalle

 
München - 'Weisses Fleisch': Das neue Projekt von Alexeij Sagerer und seinem Prozessionstheater proT ist ein Spiel der Wandlungen. Der Bezugspunkt: Die Transsubstantiationslehre. Danach verwandelt sich während des Abendmahls Brot und Wein in Leib und Blut Christi. Das Sakrament ist eine Frage des Glaubens. Und der Repräsentation. Für gläubige Christen ist Gottes Sohn im Abendmahl real präsent. Für den Rest sind Brot und Wein lediglich Medien der Vergegenwärtigung.
 
Dies gilt es im Hinterkopf zu haben, wenn man in der Muffathalle zunächst auf ein Video schaut, in dem eine Frau ihren weißen Körper mit Oblaten beklebt. Bis der Panzer fertig ist, und die Frau in eine Wanne mit roter Farbe steigt und so erneut eine andere Gestalt und Form annimmt, dauert es anderthalb Stunden. Währenddessen vollzieht sich auf dem Podest in der Hallenmitte ein Schau-Spiel, das gewöhnungsbedürftig ist und wohl sein soll. Für einen Skandal aber nicht taugt, auch wenn dieser noch kommen mag. Ein ausgeweidetes totes Pferd wird von einem Gabelstapler hereingefahren. Quälend langsam verrinnen nun die Minuten, in denen zwei Performer das Tier zerlegen und die Einzelteile an Ketten in die Höhe ziehen. Man blickt auf rotes Fleisch, die Verwundbarkeit der Kreatur wird sichtbar. Unzählige Mikrofone machen jeden Handgriff auch auditiv erfahrbar.
 
Sagerer, der Niederbayer, macht seit über dreißig Jahren 'unmittelbares Theater', der Körper spielt darin eine zentrale Rolle. Seine Verletzlichkeit, aber auch seine Schönheit und Würde drohen in einer stetig virtueller werdenden Welt zu verschwinden. 'Zeige deine Wunde' hieß es schon bei Beuys. Am Ende übertünchen die Performer das Fleisch mit weißer Farbe. Frappierend, wie es flugs seine blutige Bedrohlichkeit verliert. Zur Skulptur wird. Diese ließe sich wieder anbeten - in einer Kunstreligion.
 
FLORIAN WELLE
 
 

 
 

 
Mittwoch, 29. Februar 2012
 

Alexeij Sagerer mit "Weißes Fleisch" in der Muffathalle:


Entsetzen und Eros bei einer magischen Aufführung

 
In der Muffathalle geben eine nackte Frau und ein Pferd eine infernalische Hochzeit
(...)
 
In der Mitte, auf roten Bühnenpodesten, ein monolithischer dunkler Block wie eine Bundeslade, umgeben von Flaschenzügen und Seilwinden. Schwarze Bottiche. Hermetisch, obskur, schweigend. Dann Aufschlaggeräusche, akustische Verrichtungen. Gegenüber von diesem zentralen Block, dem Tabernakel eines wilden Gottes an der Rückseite der Halle, geht eine Projektion auf. Eine nackte Frau beklebt sich mit Hostien. Ein Iphigenienmotiv.
 
In die Aufschlaggeräusche mischt sich der höhere vibrierende Ton eines anfahrenden Motors wie eine orangene Säule. Aus dem rückwärtigen Dunkel neben der stummen Nackten fährt jetzt wie in einer Prozession ein Stapler in den Raum: In seinen Gabeln hängt der abgetrennte Kopf eines Pferdes über seinen mächtigen Körper. Aufschlaggeräusche, Motor, Flaschenzüge, Rückkopplungen, Knochensägen instrumentieren die Szene einer Wandlung. Pferd und Frau behaupten den Hieros Gamos, die heilige, chymische Hochzeit. Die sexuellen Wurzeln des Religiösen, die Einheit der Gegensätze.
 
Vom Moment des Anfahrens an pendelt der Pferdekopf in einem geradezu affirmativen, ständigen Auf und Ab über seinem der Länge nach aufgetrennten und ausgenommenen Körper und bejaht das Geschehen. Und in unerbittlicher Logik vollzieht sich auch dieser Prozess: Es ist ja das erotische Credo Sagerers, Brutalität und Verletzlichkeit bestehen gleichzeitig und gleichwertig.
 
Dann ist das Opferpferd im Innersten des Tempels. Es wird zerlegt in sechs Teile. Und der siebte ist sein Kopf! In solcher Zerstücklung wird ein atavistischer Fruchtbarkeits-Ritus sichtbar. Pars pro toto. Das Fleisch erfährt nun seine finale Wandlung. Zwei Arbeiter in Blaumännern, um im Bild zu bleiben, Akolythe, Liturgiehelfer, bestreichen das Fleisch mit weißer Wandfarbe, tauschen es in die schwarzen Bottiche. Am Schluss hängt weiß allein der Kopf des Pferdes wie ein mysteriöser Gott und Iphigenie badet im Blut. (...)
 
MICHAEL WÜST
 
Das Filmprojekt - Unmittelbarer Film

Weisses Fleisch


 
Das Theaterprojekt

Weisses Fleisch


Programm Weiss - Wandlung und Deformation
 
 
 

4.

 
 

Der Synchronisator


"Sieben deutsche Himmelsrichtungen"


über 100 Klicks in 7 Tagen

 
 
Durch die Qualität „Synchronisatoren“ entstehen Filme, die gedreht werden, um die Länge von theatralen Abläufen festzulegen, noch bevor diese Abläufe existieren. Sie bestimmen aber nicht nur die Gesamtlänge sondern auch die „Einschnitte“ in diese Abläufe. Die Synchronisatoren laufen über die Monitore des VierVideoTurms und bilden mit diesem eine Theatermaschine. Sie begleiten von 1992 bis 1998 das gesamte Nibelungen & Deutschland Projekt. Da die Synchronisatoren nicht nur die Länge der Aktionen bestimmen, sondern über ihre Bildhaftigkeit selber Aktion sind, entsteht mit den Synchronisatoren eine ganz eigene Qualität von Film.
Synchronisator+ bezeichnet Synchronisatoren, deren Filmmaterial zum Beispiel durch Ton oder Titel in einen eigenständigen Film transformiert ist.
 
Der Synchronisator Sieben deutsche Himmelsrichtungen steht im NIBELUNGEN & DEUTSCHLAND PROJEKT der Horizontale IV zur Verfügung, also unter anderem den Produktionen "Siebenmalvier" und "Endgültig." (14. und 15. Oktober 1995 im Bayerischen Staatsschauspiel Marstall, München).
 
 
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Sieben deutsche Himmelsrichtungen + Ton


Synchronisator+ - U-Matic Mutter - mit Ton - 00:56:44 Std. - proT - 1995
 

 

 
Sieben deutsche Himmelsrichtungen + Ton ist der Original Synchronisator Sieben deutsche Himmelsrichtungen "vertont" mit den Originaltönen aus den Produktionen Siebenmalvier 2. Teil (Marstall, 14. Oktober 1995) und Endgültig. (Marstall, 15. Oktober 1995). Mit Rüdiger Carl, Akkordeon (Frankfurt M.), Dietmar Diesner, Saxophon (Berlin), Paul Lovens, Schlagzeug (Aachen), Joe Sachse, Gitarre (Chemnitz), Martin Schütz, Cello (CH-Biel), Tenko, Stimme (London/Tokio), N.U.Unruh, Schlagwerk (Berlin), Matthias Hirth, Stimme (München), Lara Körte, Stimme (München), Lukas Miko, Stimme (Österreich). Tonfassung Alexeij Sagerer mit Christoph Wirsing. Ein Film von Alexeij Sagerer.
 
Seit 2023 Präsentation Lenbachhaus München: Alexeij Sagerer bei Sammlung Online.
 
 
SZ vom 17. Oktober 1995
DER MYTHOS ALS KONZEPT ART
 
Alexeij Sagerers stocknüchterne "Götterdämmerung" zum Abschluß des Spiel.Art-Festivals

(...) "Siebenmalvier" (...). Ein musikalisches Zwischenspiel, das laut, schrill, rhythmisch insistierend, den Blick auf die ebenfalls rhythmisch strukturierten Videobänder lenkt, auf Siegfried in Lederhosen und Kriemhild in Unschuldsweiß, wie sie durch Städte und Länder ziehen, in denen Natur und menschliches Leben die Zeichen des Krieges überwuchert hat. Rahmen und Montage verfremden, was Dokument sein könnte, zum assoziativen Artefakt. Siegfried und Kriemhild als Repräsentanten eines Heldendeutschlands, das im Heldengestus 1945 in Schutt und Asche verging. Vorsicht Pathos! (...)
 
Eva-Elisabeth Fischer
 
 

 
1995. Der Synchronisator Sieben deutsche Himmelsrichtungen wird mit wechselnden professionellen Kameras gedreht (Kamera abwechselnd: Christian Virmond, Christoph Wirsing). Dann wird das Material auf U-Matic überspielt und anschliessend digital bearbeitet und ohne Ton geschnitten (Alexeij Sagerer und Christoph Wirsing). Das heisst, die original U-Matic-Mutter ist stumm.
 
Das Material für den Synchronisator Sieben deutsche Himmelsrichtungen wird in mehreren filmischen Reisen in folgender Reihenfolge gedreht: 1. Tunesien, 2. Normandie, 3. Kreta, 4. Narvik, 5. Sankt Petersburg, 6. Stalingrad, 7. Krim. Auf diese filmischen Reisen wird immer das weisse Brautkleid ("Kriemhild-Motiv") und für Alexeij Sagerer die Lederhose mit Hosenträgern, schwarzem Oberteil und Stiefeln ("Siegfried Motiv") mitgenommen. Für das Brautkleid findet Alexeij Sagerer an jedem der Orte eine Frau. Und an jedem der Orte sind Kriegsgräber vom 2. Weltkrieg. Jeder der sieben Filme konfrontiert das Pathos des Mannes, der Frau und der Kriegsgräber mit nomadischen Filmelementen, die vor Ort in langen Fahrten gefilmt werden. Team Filmproduktion: Maria Sánchez, Alexeij Sagerer u.a.. Kamera: Christian Virmond, Christoph Wirsing. Bearbeitung des Filmmaterials: Alexeij Sagerer mit Christoph Wirsing. Ein Film von Alexeij Sagerer.
 
 
SAARBRÜCKER ZEITUNG vom 26. Oktober 1995
THEATER-GRENZGÄNGE
Das neue Münchner Spiel.Art-Festival, eine Biennale

 
(...) Asahinas Grenzgang zwischen Theater, Musik, Tanz und Bildender Kunst ist als neues Genre hierzulande vor Jahren schon populär geworden durch den Belgier Jan Fabre, dann seinen Landsmann Wim Vandekeybus, und heute durch Neuer Tanz Essen von Wanda Golonka/VA Wölfl. Diese Misch-Gattung bestimmte auch das Münchner Spiel.Art. Einer, der in den 60er Jahren kühn in diese Richtung vorpreschte, ist der Münchner Alexeij Sagerer, dessen dreiteilige "Götterdämmerung" das Spiel.Art-Finale bildete. Sagerer strebt ein alle Sinne gleichzeitig ansprechendes Theater an - das er vor allem als "Oper aus dem Geist der unmittelbaren Musik" versteht. In seiner Trilogie wird diese "Oper" erschaffen mit Schlagwerk-Krach, komplexen Batterie-Kanonaden, Saxophon-Tiraden und -Schreien, archaisch aus dem Bauch geholten Stimm-Experimenten und eingespielten Wagner-Opern. In Sagerers "Nibelungen & Deutschland Projekt" wird mit akustischen Mitteln voll Ironie ein provozierendes Zeitpanorama geschaffen. Mit einer musikalischtextlichen Verquickung von Nibelungen-Saga, Wagners "Ring" und deutschen Wiedervereinigungs-Reden gelingt ihm ein germanisches Portrait von äußerster Schärfe und zugleich von sinnlicher Kraft. Daß Spiel.Art diesen ortsansässigen Künstler endlich einmal ins überregionale Rampenlicht holt, ist mit sein größtes Verdienst.
 
Malve Gradinger
 
 
 

DIE SYNCHRONISATOREN


auf dem VierVideoTurm, ab 1985
 

Götterdämmerung


Eine Trilogie im Nibelungen & Deutschland Projekt (IV-2)
Bayerisches Staatsschauspiel Marstall, München, 13./14./15. Oktober 1995
 

proT auf YouTube: proT-the-whole-acts


Im August 2025 eröffnet proT eine neue Seite auf Youtube unter dem Titel proT-the-whole-acts. Diese Seite präsentiert - im Gegensatz zu proTshortcuts - künstlerische Kompositionen von Alexeij Sagerer nicht in Ausschnitten sondern in ihrer jeweiligen Länge. Präsentiert werden zum Beispiel Zahltag der Angst - Intensitäten (1981), Siegfrieds Tod - Nibelungen & Deutschland Projekt (1994), proT trifft Orff (1985), Filme aus Der Tieger von Äschnapur (1977-1979) und Unmittelbarer Film: Reines Trinken - Gottsuche (2008), Voressen (2010) und Weisses Fleisch (2012).
 

proT-the-whole-acts: proT-Filme auf Youtube


Präsentation der proT-Filme, die auf der neuen Youtube-Seite: proT-the-whole-acts seit August 2025 gezeigt werden. Die Filme werden hier einzeln vorgestellt und können auf Youtube abgerufen werden.
 
 
Verkuendigung
 

Der Nibelung am VierVideoTurm (1991)


 
Aus dem Nibelungen & Deutschland Projekt zeigen wir die letzten "Theaterfilme", bevor wir dann mit dem "live-film" und dem "Unmittelbaren Film" ein verändertes Verhältnis zwischen Theater und dem daraus entstehenden Film herstellen.
 
Mit diesem Theaterfilm präsentieren wir auch den Synchronisator "Sieben gemalte Filme" und den VierVideoTurm.
 
 
 
proT-the-whole-acts auf Youtube !

Der Nibelung am VierVideoTurm 1991


Theaterfilm - Video 8 - Farbe/Ton - 00:51:47 Std. - Produktion proT - 1991
 

 

 
Der Theaterfilm Der Nibelung am VierVideoTurm ensteht mit der ersten Aufführung (legendär) des Theaterprojekts "Der Nibelung am VierVideoTurm - Nibelungen & Deutschland Projekt (I-1)" am 31. Dezember 1991 in der proT-ZEIT, München, Steinseestrasse 2. 1. Rheingold. 2. Der Ruf ins Horn. 3. Schwärzen der Bilder. 4. Didawischifeischono. 5. Der Tanz in die Lederhose. 6. Die Kuh von der Frau Kastenhuber. 7. Im und Explosionen. Mit Zoro Babel und Alexeij Sagerer. Kamera: Werner Prökel. Bearbeitung 2019 mit live-Synchronisator 7 gemalte Filme: Alexeij Sagerer und Christoph Wirsing. Ein Film von Alexeij Sagerer.
 
 
Süddeutsche Zeitung vom 15./16. Februar 1992
DEUTSCHER ERNST. Sagerer als "Nibelung"

 
Das sind die stolzen teutonischen Helden, vor denen uns der Sozialkunde-Lehrer immer gewarnt hat: Ein ächzendes, schwitzendes Kraftpaket mit nacktem Oberkörper und bayerischer Lederhose, eine Schreckensgestalt. Aus dem Mund des dumpfen Recken Siegfried aber erklingt eine Erzählung im schönsten bayerischen Zungenschlag, "Die Kuh von der Frau Kastenhuber" betitelt. Wobei das hechelnd hervorgepresste Kauderwelsch, in stotternder Wiederholung vorgetragen, kaum zu verstehen ist - wichtig und sinnstiftend ist allein die Sprachmelodie. Im proT, dem letzten Münchner Zufluchtsort der fortschrittlichen Theaterkunst, erleben wir die Geburt der Musik aus dem Geist des Komödienstadels.
(...)
Sagerer nähert sich dem Gegenstand seines "unmittelbaren" Theaters diesmal mit bierischem Ernst. Zwar lacht und gluckst das Publikum, wenn der Meister wenig später den "Tanz in die Lederhose" vorführt, auch der gefüllte Maßkrug in der Rechten darf nicht fehlen - trotzdem will der Künstler den Theaterabend nicht nur ironisch verstanden wissen.
(...)
Wobei sich der Theatermann durchaus auf der Höhe zeitgenössischer Wagner-Interpretation bewegt: einen Lederhosen-Siegfried gab es erst jüngst auf der Brüsseler Opernbühne zu bestaunen. Der Bilderzauber Cheréaus und Erich Wonders wird hier mit einer rüden Übermalaktion ausgetrieben - mit triefender Malerrolle schwärzt der Akteur die Monitore. Sagerers Musiktheater legt die Mechanik der Oper frei, und das "Nibelungen"-Spektakel markiert nur den Auftakt einer ganzen Reihe zur deutschesten aller Sagen. Im proT brechen ernste Zeiten an.
 
Wolfgang Höbel
 
 
Von 1992 bis 1998 produziert das proT in München das NIBELUNGEN & DEUTSCHLAND PROJEKT. Das NIBELUNGEN & DEUTSCHLAND PROJEKT ist eine Komposition von 11 Produktionen in 4 Horizontalen und 3 Vertikalen. Der "VierVideoTurm" wird in die Themenräume Deutschland, Nibelungen, Richard Wagner und Nomaden und Helden gestellt. Dabei ist die proT-ZEIT "Theateratelier" und für einige Produktionen Aufführungsort.
 
 
AZ vom 17. Februar 1992
ATTACKE AUF UNSERE SINNE. Alexeij Sagerers "Nibelungen"-Performance

 
(...) Eine Stunde lang Bombardement auf alle Sinne: Sehen. Hören. Fühlen. Wenig dabei verstehen. Der Schubladen-Einordnungsreflex ist ausgeschaltet. An seine Stelle tritt Neugier, Spannung. Nichts lenkt einen von den Klang-Orgien aus Horn, Trommeln, Synthesizer und elektronisch-schrägem Mix-Brei ab. Obwohl der Saal fast leer ist, ist er ausgefüllt. Sagerer durchschreitet ihn, hält vor dem "VierVideoTurm" an, auf dem die sieben, je sieben Minuten langen Filme flimmern, bemalt sie mit schwarzer Lackfarbe. Kurze Striche, längere, hektisch sich steigernd: Am Schluß ist der Schirm vollständig schwarz, kein Bildüberträger mehr, sondern Bild für sich. Sagerer ist wie ein wildes Tier auf Jagd, schwitzend, keuchend, die Haare wirr in seinem Gesicht. Ein kreativer Kraftprotz, dessen Energie den Saal auflädt. Ein musikalischer Derwisch, dessen Niederbayerisch bei "Die Kuh von der Frau Kastenhuber" zur eigenen Melodie wird. Am Schluß Auszug des Gladiatoren unter Schlagzeugexplosionen. Diesmal im Football-Helm, mit einer Spitzhacke unterm Arm. Stop vor dem "VierVideoTurm". Schlägt er oder schlägt er nicht? Er schlägt. Sofort liegt der Saal in tiefer Dunkelheit.
 
Frauke Gerbig
 

Der Nibelung am VierVideoTurm


Nibelungen & Deutschland Projekt (I-1), proT-ZEIT München, UA 12. Februar 1992
 
 
 
Verkuendigung
 
 

Endgültig. (1995)


 
Im Nibelungen & Deutschland Projekt entstehen "Theaterfilme". Unter Theaterfilm verstehen wir, dass das Filmmaterial aus den theatralen Abläufen, eventuell auch mit mehreren Kameras oder bei unterschiedlichen Aufführungen aufgenommen und bearbeitet wird. Intensive Beispiele hierfür sind der Theaterfilm Siegfrieds Tod von 1994 und auch der Theaterfilm Endgültig. von 1995.
 
 
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Endgültig.


Theaterfilm - Umatic - Farbe/Ton - 00:57:37 Std. - Produktion proT - 1995
 
Der Theaterfilm Endgültig. entsteht aus dem Material von drei Kameras und festen Titeln, und wird in gewisser Weise "über" die bzw. mit der Steininstallation, die sich im Raum befindet, gesehen.
 

 

 
Der Theaterfilm Endgültig. ensteht mit der Aufführung des Theaterprojekts "Endgültig.", 3. Teil der Trilogie "Götterdämmerung - Nibelungen & Deutschland Projekt (IV-2)", am 15. Oktober 1995 im Bayerischen Staatsschauspiel Marstall, München. Das Ende als Aufbruch in den Epilog mit Dietmar Diesner, Matthias Hirth, Lara Körte, Lukas Miko und mit 77 Deutschen. Bühnenkameras Franz Lenniger und Christoph Wirsing. Abläufe an und mit der Licht- und Tontechnik Ulf Hahn und Klaus Schneider. Synchronisator auf den Monitoren des ViermalVierVideoTurmes: Sieben deutsche Himmelsrichtungen (7 x 7 Minuten). Steininstallation Nikolaus Gerhart, Rauminstallation Alexeij Sagerer. Koproduktion proT, Bayerisches Staatsschauspiel im Marstall. Aufführung bei SPIEL.ART 1995 - Theaterfestival in München. Kamera Theaterfilm: Christian Virmond, Christoph Wirsing. Bearbeitung Theaterfilm: Christoph Wirsing, Alexeij Sagerer. Ein Film von Alexeij Sagerer.
 
 
AZ vom 17. Oktober 1995
HIMMELHOHE ABGRÜNDE DEUTSCHER GESCHICHTEN
"Götterdämmerung": Alexeij Sagerers Nibelungen-Finale
 
Der wilde Theater-Rebell als Weiser. Den Alexeij Sagerer und sein wirklich freies proT müssen wir ab jetzt zu den autonomen Theater-Bild-Erfindern dieser 90er Jahre zählen. Mit "Götterdämmerung", der abschließenden Trilogie seines Nibelungen-Projekts, setzt Sagerer ein irritierendes, absolut selbständig gedachtes Deutschland-Epitaph.
Sieben und vier, Sagerers magische Zahlen, bildeten - nicht unbedingt einsehbar - in ihren Kombinationen das Strukturelement des eigenwillig, mit unbedingter Phantasie seit 1992 durchgezogenen Projekts. Eine multimediale Besichtigung der deutschen (Einheits)Befindlichkeit, mit Rückgriffen auf den Nibelungen-Mythos und Wagners "Ring". Eine wilde, oft scheinbar willkürliche Mixtur von Dumpf-Archaischem unter dem Raster der scheinbaren Vernunft des Heute. Sieben mal vier ist achtundzwanzig. Alles klar?
(...)
Ein Requiem, das sich am dritten Abend, "Endgültig", zu einem seltsamen Wiedergeburtsspiel aufrappelt. Die Flammen der Invasion lodern durch die Videobilder, und während Jung-Siegfried und Kriemhild die Braut (Lara Körte, Lukas Miko) vergeblich zueinander finden wollen, dröhnen Wiedervereinigungs-Reden, Wagnermusik und -texte (Matthias Hirth): Wir sind hautnah bei uns, heute. Nach Schlachten, während das Deutsch-Pärchen sich zum sanften Walzer findet, besteigen langsam, ernst und auch gleichgültig 77 Menschen wie du und ich die Bretter. Deutsche Gesichter starren uns an. Ein Volk ... Zukunft, Nibelungen??? Ein Live-Tableau, das lange, lange stehenbleibt, während Dietmar Diesners theatralisches, zuweilen richtig militantes Saxophon allmählich im langen Mono-Ton verebbt.
 
Ingrid Seidenfaden
 
 
Endgültig.
Eine Co-Produktion proT, Bayerisches Staatsschauspiel / Marstall München in Zusammenarbeit mit dem Siemens Kultur Programm, dem Festival SPIEL.ART und dem Kulturreferat der LH München.
Mit freundlicher Unterstützung durch Beck Forum, Dr. Jürgen Kolbe, Herrn Jörn Behrmann. Wir danken der Licht & Ton GmbH und RÖRO Gerüstbau für die freundliche Unterstützung bei der Videoinstallation.
Für die Unterstützung bei den Videoarbeiten vor Ort danken wir den Goethe-Instituten in: Chania, Kiew, St. Petersburg und Tunis, sowie Herrn Matthias Gurski in Wolgograd und Herrn Jurij Lebedev in St. Petersburg.

 

Götterdämmerung


Eine Trilogie im Nibelungen & Deutschland Projekt (IV-2)
Bayerisches Staatsschauspiel Marstall, München, 13./14./15. Oktober 1995
 
 
Verkuendigung
 
 
Verkuendigung
 
Verkuendigung
 
 

 
 
Der Laufende Tiegerjäger
 
 
 

In der Pinakothek der Moderne bei DENKRAUM DEUTSCHLAND 2025


 
 
 

Foto: Johann & Erwin Rittenschober

 

 
Laufender Tiegerjäger ist ein eigenständiger Teil bzw. "Film" aus der "Theater als Film-Comics"-Produktion Der Tieger von Äschnapur Eins oder Ich bin die letzte Prinzessin aus Niederbayern, die 1979 auf Super8-Film gedreht ist. Laufender Tiegerjäger: Alexeij Sagerer. Kamera: Team. Ein Film von Alexeij Sagerer.
 
 

Laufender Tiegerjäger


Theater als Film-Comics - Super8 - Farbe/Ton - 00:03:54 Std. - proT 1979
 

 

 
Der Tieger von Äschnapur Eins oder Ich bin die letzte Prinzessin aus Niederbayern wird 1979 auf Super8-Film gedreht. Der Ton wird mit einem professionellen NAGRA-Tonband-Gerät aufgenommen und auf Perfo-Band überspielt. Anschliessend wird der Film auf einem professionellen Schneidetisch von Alexeij Sagerer geschnitten. Kamera: Team. Ein Film von Alexeij Sagerer.
 
Die Filmproduktion von 1979 Der Tieger von Äschnapur Eins oder Ich bin die letzte Prinzessin aus Niederbayern (Theater als Film-Comics) ist ein Unikat. Sie konfrontiert die Verfilmung einer Theaterproduktion mit der Dokumentation von Theater, also hier mit dem "Theaterfilm" Der Tieger von Äschnapur Eins oder Ich bin die letzte Prinzessin aus Niederbayern. Wieweit es gelingt, die Theaterproduktion "Reinen Film" werden zu lassen, bleibt hier offen. Sie ist aber eine frühe Auseinandersetzung von Alexeij Sagerer mit dem Verhältnis der Kompositionen "Theater" und "Film" und führt letzten Endes 1997 zur Vorstellung von "live-film", also eines Filmes, der in und aus einer Produktion entsteht, die gleichzeitig Film- und Theaterproduktion ist. Film und Theater kommen dabei zu unterschiedlichen Ergebnissen: sie beeinflussen einander; sie brauchen aber einander nicht zu berücksichtigen. Am 18./19. Oktober 1997 produziert proT in der Reithalle in München den ersten "live-film" ....und morgen die ganze Welt, Dauer 28:00:00 Stunden.
 

 
 
 
Verkuendigung
 
 
proT-the-whole-acts
 
Im August 2025 eröffnet proT eine neue Seite auf Youtube unter dem Titel proT-the-whole-acts. Diese Seite präsentiert - im Gegensatz zu proTshortcuts - künstlerische Kompositionen von Alexeij Sagerer nicht in Ausschnitten sondern in ihrer jeweiligen Länge. Präsentiert werden zum Beispiel Zahltag der Angst - Intensitäten (1981), Siegfrieds Tod - Nibelungen & Deutschland Projekt (1994), proT trifft Orff (1985), Demonstrations-Zweck-PR-Band (1978-86).
 
 

Neu auf Youtube

 
Unmittelbarer Film
Unmittelbarer Film entsteht in und aus einer Produktion, die gleichzeitig Film- und Theaterproduktion ist, aber Film und Theater kommen dabei zu unterschiedlichen Ergebnissen. Sie beeinflussen einander. Sie brauchen aber einander nicht zu berücksichtigen. Ein wesentliches Element des Unmittelbaren Filmes ist der "feste", intensive Kamerablick, in dem sich eine ebenso intensive theatrale Bewegung, "in einem Stück" entfaltet. Weisses Fleisch (2012), Voressen (2010), Reines Trinken (2008).
 
 

Reines Trinken - Gottsuche (2008)


 
 
Reines Trinken: Mit dem Internet werden "Oppe's Bistro", eine kleine Kneipe in Floß/Oberpfalz und das Trinken zu Elementen des Prozesses, der zur Komposition des Unmittelbaren Filmes und des Unmittelbaren Theaters im proT führt. Dabei treffen diese Elemente auf gleichzeitig stattfindende Vorgänge in München. Zu diesen Vorgängen gehört unter anderem eine nackte Frau, die 8 Stunden lang in sanft herabfliessendem Wasser steht. Rausch und Rauschen.
 
In einem längeren Prozess zwischen Alexeij Sagerer und den Männern in Floß, der zur künstlerischen Komposition Reines Trinken führt, begreifen die Männer in Floß das proT. Sie begreifen, dass sie weder Betrunkene spielen sollen, noch dass sie Teil einer Dokumentation über das Betrunkenwerden sind, sondern dass sie Teil einer künstlerischen Produktion sind, die sie mit herstellen. Mit diesem Begreifen beginnt für die Männer ein künstlerischer Prozess, der dann z.B. mit "Weisses Fleisch", "Voressen" und anderen Produktionen im proT weitergeführt wird. Sie arbeiten mit dem proT in einem gemeinsamen Prozess an künstlerischen Kompositionen.
 
 
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Reines Trinken - Gottsuche


Unmittelbarer Film - DV-SD - Farbe/Ton - 08:03:47 Std. - Produktion proT - 2008
 

 

 
Der Unmittelbare Film Reines Trinken - Gottsuche (8 Stunden) entsteht vom 21. Juni 2008, 21:00 Uhr bis zum 22. Juni 2008, 05:00 Uhr mit dem Film- und Theaterprojekt Reines Trinken - Gottsuche in einem aufgelassenen Rangierbahnhofgelände und in den Räumen von "NEULAND - kunst musik bar" in München, in Oppe's Bistro in Floß/Oberpfalz und im Internet. Trinker und Bedienung Maria: Team Floß, u.a mit Johannes Oppenauer, Richard Hoch und Michael Varga. Frau in sanft herabfliessendem Wasser: Juliet Willi. Musiker: Sebastiano Tramontana. Stewardessen: Kerstin Becke, Sophie Engert, Vanessa Jeker, Kordula Kink, Elna Lindgens, Berit Menze, Anja Wiener. Captain: Alexeij Sagerer. Entwicklung des Geländes in München mit Kay Winkler. Realisierung mit Philipp Kolb. live-Bildschnitt: Christoph Wirsing. live-Filmton-Regie: Andreas Koll. Kamera: Matthias Endriß, Roger Hoidn. Internet: Walter Ecker, Patrick Gruban. Ein Film von Alexeij Sagerer.
 
Reines Trinken – Gottsuche im Neuland
 
In Oppe's Bistro in der Oberpfalz trinken sechs Männer, acht Stunden, während zur selben Zeit in München in einem transparenten Raum mit einer durchsichtigen Aussenhaut über Rundbögen, und auch über dem Schotterboden liegt eine dünne durchsichtige Folie, eine nackte Frau acht Stunden lang in sanft herabfliessendem Wasser steht. Die beiden Orte sind über das Internet miteinander verbunden. Aus Bild- und Tonmaterial von beiden Orten wird live ein Film geschnitten, der im Augenblick seines Entstehens in München, in Floß und im Internet seine Premiere hat. Für die Zuschauer ist das Projekt nur in München begehbar, wo Stewardessen sie betreuen und zu Expeditionen in den Raum des Trinkens und den Raum des Wassers führen.
 
Reines Trinken – Gottsuche im Neuland
 
Bei Reines Trinken - Gottsuche geht es um Rausch und Rauschen. Um das Rauschen, das sanfte Rauschen des Wassers und die nackte Frau in diesem Rauschen und alles ist sehr zerbrechlich die Frau die einfach in diesem Rauschen steht und manchmal geht sie ein wenig nach hinten in diesem durchsichtigen Haus wackelig geht sie nach hinten und kommt wieder zurück und das Haus ist eigentlich nur eine dünne Haut und Bögen und es ist hell wenn sie beginnt in diesem warmen Rauschen zu stehen einfach nur darin zu stehen und alles ist so vergänglich das Haus das bald nur noch Fetzen sein wird durchsichtige Fähnchen an diesen Rund-Bögen in dieser provisorischen Landschaft mit Wind die in der Nacht verschwindet und doch dableibt und die Frau steht in diesem Rauschen und in diesem Haus das jetzt leuchtet in der Nacht und bewegt sich nur wenig und lautlos in diesem Leuchten bis es wieder hell wird und das Leuchten verschwindet und das Haus wieder zu einem Teil dieser Landschaft wird die eigentlich nur provisorisch ist und da steht die Frau immer noch in diesem warmen Rauschen des Wassers.
 
Während die Trinker in dieser Zeit des Rauschens öffentlich trinken. Sie sind öffentlich und robust und sie wissen, dass sie öffentlich sind und das Trinken wird zum Raum und der Raum wird zum Rausch. So wie er kommt. Wie er in die Körper und in die Welt kommt. Wie er Raum wird. Und sie trinken nur. Stumm. Und dann reden sie natürlich und lachen und tanzen. Und die Komposition Kneipe, die öffentlich ist, löst sich auf und wird erneut öffentlich und auch das Trinken, das nur Trinken ist, wird erneut öffentlich und das wissen die Trinker. Und so wird Theater. Und obwohl Gottsuche immer ironisch ist mit und ohne Trinken wird die Kneipe Kirche. Rausch Raum. Robuster Raum. Vertrauter Raum. Entrückung. Alles wird durchsichtig und ungreifbar. Kind werden. Öffentlich.
 
 


 
24. Juni 2008
Münchner Kultur
 

Heiliges Bier


"Reines Trinken - Gottsuche" mit Alexeij Sagerer

 
Dass ein gescheiter Rausch hellsichtig machen kann, wissen Mystiker seit Jahrhunderten. Mit "Reines Trinken - Gottsuche" im Rahmen des Zyklus' "Operation Raumschiff" luden nun Alexeij Sagerer und Kay Winkler zum achtstündigen Trinkmarathon ins Neuland. Von Stewardessen wurde man zunächst in einen Filmraum mit Einzeltrinkkabinen geleitet, wo man 28 Minuten in verwischten Bildern dem Geschehen in einer live zugeschalteten oberpfälzischen Kneipe zuschaute. Dort pflegte eine Tischrunde ausgiebig ein altdeutsches Männerritual: Schweigen vor Biergläsern. Unter fleißigem Einsatz von Schnaps aber lösten sich die Zungen schließlich zu verrauschten Lauten. Zwischendurch flimmerte eine nackte Frau über die Leinwand. Die durfte man eine Stunde später in einer Art Gewächshaus besuchen, wo "Jane-Venus" (Juliet Willi) unter sich kreuzenden Wasserstrahlen badete, ein Anblick reiner Schönheit. Danach geschah erst einmal lange wenig bis nichts.
 
"Worte bleiben an der Küste", wie die Sufis sagen. Mit Worten also waren Sagerers ozeanische Assoziationsfluten nie zu ergründen. Sein neues Projekt allerdings glich eher einem stillen Teich, auf dem sich angelegentlich eine Welle kräuselte. Gott oder irgendeine Erkenntnis mochte sich nicht zeigen, während die Mitternacht näher rückte.
 
Doch wie ein Teich seine Geheimnisse nicht dem flüchtigen Betrachter preisgibt, so muss man sich auf die langsamen Veränderungen des eigenen und des Zustands der Akteure einlassen. Sagerers Trinken ist eine ernste Sache, die nicht ohne Grund auf acht Stunden angelegt ist. In dieser Zeit wird das Raumschiff auch erfahrbar als Nucleus eines Ortes, den es bald nicht mehr geben wird, weil Brachen, in denen sich Kreativität breit macht, in München stets vom Aussterben bedroht sind.
 
In Oppe's Bistro, jener zugeschalteten Kneipe im oberpfälzischen Floß, kommt man langsam voran. Die sechs Trinker, die etwas von ihrem Treiben verstehen, erwachen aus ihrer heiligen Andacht, finden den Knopf der Jukebox und singen fünfstimmig "Guardian Angel"; fünfstimmig deshalb, weil sich einer von ihnen auf das Betrachten des kleinen Ausschnitts der Tischfläche unmittelbar vor sich konzentriert und keinerlei Ablenkung gebrauchen kann. Sagerer kündigt "You do something to me" an, was Sebastiano Tramontana murmelnd intoniert, während er sich mit ein paar wüsten Schlägen auf der Trommel begleitet und überraschend verschwindet. Die Oberpfälzer sind inzwischen bei Strauss' "Zarathustra" angelangt und singen "badambadambdam". Nur Jane bleibt, was sie ist: ein verführerisches Bild von Intimität, die in Wahrheit keine ist, weil Juliet Willi die Anwesenheit der Zuschauer gänzlich ignoriert.
 
"Reines Trinken" ist ein begehbarer Schöpfungsmythos, die Kantine der Genesis, ein Fest der Schönheit. Im Verschwinden aller zerebraler Niveauunterschiede liegt eine Utopie von einem neuen Menschen, wie ihn Tarzan und Jane oder die Bedienung Maria entstehen lassen könnten. Bis dahin aber ist noch viel zu trinken.
 
P. HALLMAYER / E. THOLL
 
Das Filmprojekt - Unmittelbarer Film

Reines Trinken - Gottsuche


 
Das Theaterprojekt

Reines Trinken - Gottsuche


Programm Weiss - Rausch und Rauschen
 
 
 
Voressen

Programm Weiss - Unmittelbarer Film


 
 
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Voressen


Unmittelbarer Film - DV-SD - Farbe/Ton - 01:23:30 Std. - Produktion proT - 12.06.2010
 

 

 
Bei Voressen geht es um Deformation und Wandlung. Um Essen und Komposition. Und darum geht es. Und drei schwarze Stühle stehen auf drei roten Aufbauten. Podesten. Und drei nackte Männer sitzen auf diesen Stühlen. Im Lendenschurz. In Windeln. Und vor ihnen drei Tischchen. Ganz verschiedene. Mit abgeschnittenen Beinen. Und darauf Speisen in vielen Formen und Farben. Und vor allem auch Farben. Und dabei auch Getränke. Blaue und rote und gelbe. Und grüne Salate und Melonen und Gurken. Und die häufen sich auf den Tischchen und auch auf den Tellern. Und sie häufen sich mit gebratenen Hähnchen und Schweinshaxn und Broten und Torten. Und Äpfeln und Tomaten und mit anderem Essbaren und Trinkbaren.
 
Der Unmittelbare Film Voressen entsteht mit dem Film- und Theaterprojekt Voressen am 12. Juni 2010 von 18:28:00 Uhr bis 19:51:30 Uhr beim Tanz- und Theaterfestival RODEO MÜNCHEN 2010 im Muffatwerk. Frauen in Weiss: Juliet Willi, Elna Lindgens, Judith Gorgass. Männer im Lendenschurz: Johannes Oppenauer, Richard Hoch, Michael Varga. Mann und Frau, Verborgener Raum: Sven Schöcker und Alexandra Hartmann. Essen für Voressen: Vierzig Männer und Frauen. BühnenKameras: Ilona Herbert, Anja Uhlig, Patrick Gruban. Kamera Verborgener Raum: Alex Endl. live-Bildschnitt: Christoph Wirsing. live-Filmton-Regie: Oliver Künzner. Tontechnik: Paolo Mariangeli. Ein Film von Alexeij Sagerer.
 
 
 
Und drei Frauen. Weiss gekleidet. Ganz unterschiedlich. Kommen herein und zerschneiden und zerrupfen das Obst und das Gemüse und das Fleisch. Und dazwischen füttern sie die Männer. Mit Gabeln und Löffeln und Händen. Und manchmal verbinden sie ihnen die Augen. Und öffnen Flaschen und Gläser. Und zerreissen Schachteln und andere Verpackungen und wischen mit Servietten den Männern die Münder. Und drei schwarz gekleidete Kameraleute sind dabei. Auf den roten Aufbauten und filmen. Und das Licht geht und kommt wieder. Und die Kameraleute verändern ihre Position. Und die Frauen halten inne und dann zerkleinern sie wieder. Und schenken Bier ein und geben den Männern zu trinken und auch eine rote Suppe und grüne Limonade. Und die Männer sitzen da und kauen und schlürfen und schlucken. Und wandeln das Zerteilte und das Flüssige das Harte und das Weiche und das Fleischige und das Trockene in sich selbst. Und sie sind nackt und mit Windeln. Und verschieden und intensiv. Und das ist öffentlich. Und jeder weiss es. Und das ist Theater. Und das ist Komposition.
 
 
Und auf einem vierten roten Podest steht ein grüner Raum. In sich geschlossen. Darin. Eine Frau in weisser Unterwäsche. Ein Mann in einer Badewanne. Sein nackter Körper bedeckt mit Hostien. Und der Mann bewegt sich. Und die Frau nimmt mit ihren Lippen die Hostien vom nackten Körper des Mannes. Und isst die Hostien. Und die Hostien werden die Frau. Und die Hostien sind ein Leib und verschieden. Und auch die Hostien des Rückens sind verschieden. Und die Hostie der Nase und die Hostie des Schwanzes. Und auch als Oblaten sind sie verschieden. Und hinter dem Leib der Hostien erscheint der nackte Körper des Mannes. Und obwohl es in dem grünen Raum geschieht ist es öffentlich. Und alle wissen dass es öffentlich ist. Und ein Kameramann macht Bilder und eine Kamera schickt sie nach draussen. Zu den Bildern der anderen Kameras auf den roten Podesten. Und ein Film entsteht. Und auf einer Leinwand neben dem grünen Raum läuft der Film.
 
 
Und die Männer auf den roten Podesten werden gefüttert. Und die Frau im grünen Raum isst die Hostien vom Körper des Mannes. Und dann kommen viele Männer nackt mit Windeln herein und stehen neben den roten Podesten. Und viele Frauen in Weiss kommen herein und gehen zu den Männern. Und sie haben Eier dabei. Und zerbrechen die Schalen. Und schälen die Eier. Und füttern die Männer. Und alles ist eine Komposition. Und Verzehren und Deformation und das Wunder der Wandlung. Und jedes ist intensiv und verschieden. Die nackten Männer mit den Windeln die Frauen in Weiss und die Eier.
 
 


 
Dienstag, 15. Dezember 2009
Münchner Kultur
 

Im Zeichen der Stoa


Alexeij Sagerers „Voressen“ im Muffatwerk

 
(...)
Drei Tarzans in Lendenschurz werden damit von drei Janes in Weiß gefüttert. Drei Kameraleute werfen Detailansichten von klebrigen Bärten, bekleckerten Bäuchen und von mit viel zu großen Messern massakrierten Melonen oder Schweinshaxen auf eine Leinwand, auf der man auch eine Frau sehen kann, die Hostien vom Körper eines nur körperlich anwesenden Mannes nascht. Diese schmerzlichen Bilder fruchtlosen Begehrens stammen live von einem unter grünen Planen verborgenen Raum im Raum, denn anders als viele seiner Vorgänger leiht sich dieser Sagerer-Abend keine Bilder von einem authentischen Anderswo. Alles, was 83 Minuten und 30 Sekunden lang geschieht, ereignet sich auf der Probebühne des Muffatwerks. Und alles ist Essen, Verschlingung, Arbeit und Demut.
 
Die Männer, die auf ihren erhabenen Stühlen wie Paschas wirken könnten, sitzen stoisch da, wie zu füllende Nahrungssäcke. Die Frauen, sich scheinbar devot kümmernd, sind sachlich Nahrung in Münder einarbeitende Erfüllungsgehilfen eines verborgenen Planes. Worin der besteht? Wer kann das wissen? Gänzlich gereinigt von Bedürfnissen und Emotionen sieht man zum ersten Mal etwas wie „nacktes Essen“. Und die gekonnt unsachgemäße Behandlung der Nahrungsmittel richtet den Fokus so deutlich auf deren Würde, wie es keine Kochshow dieser Welt je könnte.
 
SABINE LEUCHT
 
 
Dem live-Bildschnitt stehen zur Verfügung: die Totalen von zwei fest installierten Kameras im Raum. Die Bilder der drei Bühnenkameras, die einem vorher erarbeiteten und festgelegten Plan folgen. Die Bühnenkameras werden nicht gezoomt. die verschiedenen Bildausschnitte entstehen durch die wechselnde Nähe zum Geschehen. Die Bilder der Kamera auf Stativ im grünen Raum. Die Kamera im grünen Raum wird vom Kameramann von take zu take neu eingerichtet. Tonquellen für die Tonregie: der live-Ton, der im Laufe der Aktionen entsteht und dessen Intensität kontinuierlich angehoben wird, übertragen auf ein eigenes Tonmischpult für die live-Filmton-Mischung.
 
Das Filmprojekt - Unmittelbarer Film

Voressen


 
Das Theaterprojekt

Voressen


Programm Weiss - Wandlung und Deformation
 
 
Weisses Fleisch

Programm Weiss - Unmittelbarer Film


 
 
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Weisses Fleisch


Unmittelbarer Film - DV-SD - Farbe/Ton - 01:15:34 Std. - Produktion proT - 25.02.2012
 

 

 
Eine rote Bühnenfläche. Darauf ein schwarzer Raum. Das Publikum auf schwarzen Stühlen. Auf der Bühne grosse Bottiche mit weisser Farbe und Maschinen für die Bewegung von roten Fleischteilen. Männer an den Maschinen. Eine Handlung mit weichen roten Körpern geht über in eine Handlung mit glatten weissen Oberflächen, „weisse Skulpturen“. Im schwarzen Raum. Eine Frau kleidet sich weiss. Und badet in Rot. Im Weiss auf roter Bühne beginnt das Fleisch sich selbst zu repräsentieren. Und simultan dazu übernimmt im schwarzen Raum der weisse Repräsentationskörper des Fleisches, des Fleisches rote Körperlichkeit.
 
Der Unmittelbare Film Weisses Fleisch entsteht mit dem Film- und Theaterprojekt Weisses Fleisch am 25. Februar 2012 in der Muffathalle in München. Männer auf roter Bühne: Richard Hoch, Michael Varga. Frau im verborgenen schwarzen Raum: Juliet Willi. live-Bildschnitt: Patrick Gruban. Externe Filmkameras: Ilona Herbert, Anja Uhlig. Kamerabild verborgener Raum: Alexeij Sagerer. live-Filmton-Regie: Andreas Koll. Tontechnik: Oliver Künzner. Ein Film von Alexeij Sagerer.
 
 

 
Bei Weisses Fleisch geht es um Komposition. Um Komposition als Anfang und Ende. Um Körper. Wandlung und Deformation. Fleisch. Knochen. Bau. Komposition. Ein Pferdekörper fährt ins Licht. Ohne Fell. Weich. Gabelstapler. Töne. Geräusche. Der Körper hängt an den Vorderbeinen. An der Gabel. Offen. Der Kopf hängt über dem Hals. Mit Fell. Alles bewegt sich. Zwei Männer. Schwarz. Eine rote Struktur. Holz. Körper. Bühne. Darauf schwarz ein verborgener Raum. Schmal. Hoch. Ein Mann auf der Bühne. Messer. Säge. Trennt Körperteile ab. Immer wieder. Deformation. Auflösung. Das Pferd fährt um die rote Bühne. Stationen. Wandlung. Die wachsende Präsenz der Geräusche. Sechs Körperteile liegen auf der roten Bühne. Der Kopf weiter am Gabelstapler. Beide Männer auf der Bühne. Die Körperteile werden gehängt. Permanente Komposition. Und jetzt Weiss. Grundfarbe der Repräsentation. Die Geräusche wiederholt. Verzerrt. Tosend. Die Körperteile werden in weisse Farbe getaucht. Der Kopf zuletzt. Neukomposition. Weisse Skulpturen hängen über Rot. Im Zentrum der schwarze Raum.
 

 
Und gleichzeitig im verborgenen Raum. Schwarz. Rote Farbe in roter Wanne. Davor die Frau. Nackt. Sie beginnt ihren Körper zu bekleben. Mit weissen Hostien. Und die weissen Hostien bedecken den Körper. Und werden erneut Körper. Und die Frau steigt in die Wanne mit roter Farbe. Langsam. Und der Körper bekleidet mit den weissen Hostien wird rot. Und die Hostien werden rot. Und die Frau legt sich in die rote Farbe und taucht darin unter. Und auch der Kopf taucht ein ins Rot. Deformation und Wandlung. Und alles wird ein Körper. Die weissen Repräsentationskörper und der nackte Körper der Frau und die rote Farbe. Komposition. Und die Frau steigt wieder aus der Wanne. Und sie ist eine nackte Skulptur. Feucht und rot glänzend. Und mit roten Fetzen von Hostien auf der Haut.
 
 

Montag, 27. Februar 2012
 

Zerlegt


Alexeij Sagerers Projekt 'Weisses Fleisch' in der Muffathalle

 
München - 'Weisses Fleisch': Das neue Projekt von Alexeij Sagerer und seinem Prozessionstheater proT ist ein Spiel der Wandlungen. Der Bezugspunkt: Die Transsubstantiationslehre. Danach verwandelt sich während des Abendmahls Brot und Wein in Leib und Blut Christi. Das Sakrament ist eine Frage des Glaubens. Und der Repräsentation. Für gläubige Christen ist Gottes Sohn im Abendmahl real präsent. Für den Rest sind Brot und Wein lediglich Medien der Vergegenwärtigung.
 
Dies gilt es im Hinterkopf zu haben, wenn man in der Muffathalle zunächst auf ein Video schaut, in dem eine Frau ihren weißen Körper mit Oblaten beklebt. Bis der Panzer fertig ist, und die Frau in eine Wanne mit roter Farbe steigt und so erneut eine andere Gestalt und Form annimmt, dauert es anderthalb Stunden. Währenddessen vollzieht sich auf dem Podest in der Hallenmitte ein Schau-Spiel, das gewöhnungsbedürftig ist und wohl sein soll. Für einen Skandal aber nicht taugt, auch wenn dieser noch kommen mag. Ein ausgeweidetes totes Pferd wird von einem Gabelstapler hereingefahren. Quälend langsam verrinnen nun die Minuten, in denen zwei Performer das Tier zerlegen und die Einzelteile an Ketten in die Höhe ziehen. Man blickt auf rotes Fleisch, die Verwundbarkeit der Kreatur wird sichtbar. Unzählige Mikrofone machen jeden Handgriff auch auditiv erfahrbar.
 
Sagerer, der Niederbayer, macht seit über dreißig Jahren 'unmittelbares Theater', der Körper spielt darin eine zentrale Rolle. Seine Verletzlichkeit, aber auch seine Schönheit und Würde drohen in einer stetig virtueller werdenden Welt zu verschwinden. 'Zeige deine Wunde' hieß es schon bei Beuys. Am Ende übertünchen die Performer das Fleisch mit weißer Farbe. Frappierend, wie es flugs seine blutige Bedrohlichkeit verliert. Zur Skulptur wird. Diese ließe sich wieder anbeten - in einer Kunstreligion.
 
FLORIAN WELLE
 
 

 
 

 
Mittwoch, 29. Februar 2012
 

Alexeij Sagerer mit "Weißes Fleisch" in der Muffathalle:


Entsetzen und Eros bei einer magischen Aufführung

 
In der Muffathalle geben eine nackte Frau und ein Pferd eine infernalische Hochzeit
(...)
 
In der Mitte, auf roten Bühnenpodesten, ein monolithischer dunkler Block wie eine Bundeslade, umgeben von Flaschenzügen und Seilwinden. Schwarze Bottiche. Hermetisch, obskur, schweigend. Dann Aufschlaggeräusche, akustische Verrichtungen. Gegenüber von diesem zentralen Block, dem Tabernakel eines wilden Gottes an der Rückseite der Halle, geht eine Projektion auf. Eine nackte Frau beklebt sich mit Hostien. Ein Iphigenienmotiv.
 
In die Aufschlaggeräusche mischt sich der höhere vibrierende Ton eines anfahrenden Motors wie eine orangene Säule. Aus dem rückwärtigen Dunkel neben der stummen Nackten fährt jetzt wie in einer Prozession ein Stapler in den Raum: In seinen Gabeln hängt der abgetrennte Kopf eines Pferdes über seinen mächtigen Körper. Aufschlaggeräusche, Motor, Flaschenzüge, Rückkopplungen, Knochensägen instrumentieren die Szene einer Wandlung. Pferd und Frau behaupten den Hieros Gamos, die heilige, chymische Hochzeit. Die sexuellen Wurzeln des Religiösen, die Einheit der Gegensätze.
 
Vom Moment des Anfahrens an pendelt der Pferdekopf in einem geradezu affirmativen, ständigen Auf und Ab über seinem der Länge nach aufgetrennten und ausgenommenen Körper und bejaht das Geschehen. Und in unerbittlicher Logik vollzieht sich auch dieser Prozess: Es ist ja das erotische Credo Sagerers, Brutalität und Verletzlichkeit bestehen gleichzeitig und gleichwertig.
 
Dann ist das Opferpferd im Innersten des Tempels. Es wird zerlegt in sechs Teile. Und der siebte ist sein Kopf! In solcher Zerstücklung wird ein atavistischer Fruchtbarkeits-Ritus sichtbar. Pars pro toto. Das Fleisch erfährt nun seine finale Wandlung. Zwei Arbeiter in Blaumännern, um im Bild zu bleiben, Akolythe, Liturgiehelfer, bestreichen das Fleisch mit weißer Wandfarbe, tauschen es in die schwarzen Bottiche. Am Schluss hängt weiß allein der Kopf des Pferdes wie ein mysteriöser Gott und Iphigenie badet im Blut. (...)
 
MICHAEL WÜST
 
Das Filmprojekt - Unmittelbarer Film

Weisses Fleisch


 
Das Theaterprojekt

Weisses Fleisch


Programm Weiss - Wandlung und Deformation
 
 
proT trifft Orff

Theaterfilm


Carmina Burana - Videowand - fünf Schweine

 
 
Theaterfilm geschnitten aus dem Material verschiedener Aufführungen von "proT trifft Orff - wir gratulieren" im Juli 1985 im Gasteig München, Black Box. proT trifft Orff entsteht aus Carmina Burana mit einer Videowand aus 25 Monitoren, gespeist von 25 Videorekordern, mit fünf Schweinen und den letzten Spuren von "Der Tieger von Äschnapur Unendlich". Nach "Münchner Volkstheater" (1980), "Zahltag der Angst" (1981) und "Küssende Fernseher" (1983) führt proT trifft Orff - wir gratulieren unter anderem mit der Videowand die Auseinandersetzung mit Video im proT fort.
 
 
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proT trifft Orff


Theaterfilm - U-Matic-Highband-Mutter - Farbe/Ton - 01:00:00 Std. - Prod. proT - 1986
 

 

 
Der Theaterfilm proT trifft Orff entsteht aus dem Theaterprojekt proT trifft Orff - wir gratulieren von Alexeij Sagerer, aufgeführt 10.-16. Juli 1985 im Kulturzentrum Gasteig, Black Box, München. Die Kamera blickt von aussen auf das Geschehen. Geschnitten wird aus dem Material von verschiedenen Aufführungen. Mit Werner Eckl, Axel Kotonski, Werner Prökel, Franz Lenniger, Cornelie Müller, Brigitte Niklas, Alexeij Sagerer, Ulrike Stiefvater, Bernhard Jugel, Susanne Wehde und den 5 Schweinen O Fortuna, Primo Vere, Uf dem Anger, In Taberna, Cour d 'Amour. Kamera: Fips Fischer. Schnitt: Alexeij Sagerer, Fips Fischer. Ein Film von Alexeij Sagerer.
 
 
SZ, 13./14. Juli 1985, von Thomas Thieringer
 



 

proT trifft Orff


 
Der Mensch, so hat Horst Stern einmal gesagt, habe das Schwein zur Sau gemacht. Alexeij Sagerer, dieser radikale Volks-Theater-Verfechter und spitzbübische Kämpfer gegen alle falschen Kultur-Sprach-Zeremonien, demaskiert nun, im "heiligen" Münchner Gasteig, die Sau wieder zum Schwein: fünf prächtig rosige Exemplare tummeln sich in sauberem Stroh gut eine Stunde lang manierlich als Hauptattraktion in Sagerers "Revue" zu Carl Orff's 90. Geburtstag, "proT trifft Orff oder Carmina Burana trifft Tieger von Äschnapur".
 
Klar also, daß dies keine Feier-Weihestunde ist, obwohl Schmankerl aus dem 1937 uraufgeführten Erfolgswerk des gerühmten Komponisten zu Gehör gebracht werden. Sagerer rennt an mit seinen Volkstheaterfiguren gegen die "mittelalterlich-deutsche" Kulturgenüßlichkeit, unterläuft deren Pathos mit seinen komisch-grotesken Szenen über die Rituale selbstgefälliger "geschlossener Öffentlichkeiten".
 
Gleich zu Beginn führt er mit der ihm eigenen Komik vor, wie man mit einem kläglichen Flötentönchen die „Tassen zum Wackeln“ bringt, und zum großen Finale lässt er eine pompöse Batterie von Schlaginstrumenten aufbauen, verweigert aber sich und seinen Mitspielern selbst das, was Kreislers Triangelspieler am Künstlerleben erhält, das eine erlösende Bing. Aber nicht nur dieses sein Anti-Theater setzt Sagerer Orffs "Carmina" entgegen. Auf seiner Videowand (24 Fernsehgeräte), wird reproduziert, womit wir uns, "kunstvoll" dem Blick auf die Wirklichkeit erstellen lassen, mit Micky Mouse und Marilyn, Woody Allen und James Bond, herzigen Tierfilmen und schmutzigen Pornos, Liebes-Schmachtfetzen und niedlichen Natur-Sentimentalitäten.
 
Hat das mit Orff etwas zu tun? – Aber gewiß doch: "Musik ist Politik", behauptet Sagerer und "proT ist Politik" und "Wo war Orff 1936". Sagerer legt im Inneren des Münchner Kulturtempels Stolpersteine aus, um die Feierlichkeiten um den "Münchner Weltmodernen" aus dem Rhythmus zu bringen. Aber die Schweine bleiben dabei immer manierlich.  
tsr / Photo: Rittenberg
 
 
proT trifft Orff - wir gratulieren
Carmina Burana trifft den Tieger von Äschnapur

 
"proT trifft Orff - wir gratulieren" ist eine proT-Produktion für das Kulturreferat der LH München im Kulturzentrum Gasteig. Sieben mal aufgeführt in der Black Box am 10./ 11./ 12./ 13./ 14./ 15./ 16. Juli 1985 jeweils um 21 Uhr. Mit 3 Orffizieren: Werner Eckl, Axel Kotonski, Werner Prökel; 4 d'Orfftrotteln: Franz Lenniger, Cornelie Müller, Brigitte Niklas, Alexeij Sagerer; 1 Schweinehirtin: Ulrike Stiefvater; 5 Schweinen: O Fortuna, Primo Vere, Uf dem Anger, In Taberna, Cour d'Amor; Kellner/Kellnerin/Liebespaar: Bernhard Jugel, Susanne Wehde und einer Videowand aus 25 Monitoren bespielt von 25 Rekordern.
 
 

Die Videowand aus "proT trifft Orff"


Farbe, Scharz-Weiss, Ton, 60 Minuten - Video als Welttheater
 
25 U-Matic Kassetten mit 25 verschiedenen Bild- und Toninhalten (die Zahl 25 entspricht den 25 Liedern der Carmina Burana von Carl Orff. Die Videowand ist wie folgt aufzubauen: Erste und zweite Senkrechte à 3 Monitore, dritte Senkrechte 4 Monitore, vierte, fünfte und sechste Senkrechte à 5 Monitore. Die 25 Töne werden über ein Mischpult auf Lautsprecher (mindestens zwei) an der Video-Wand übertragen. Für jeden Ton gibt es 5 Lautstärke-Stellungen (leise-leise, leise, normal, normal-laut, laut), die während der Präsentation der Videowand verändert werden. Für jede der 5 Lautstärke-Stellungen werden jeweils 5 Videotöne zugelost. Alle 5 Sekunden wird eine Lautstärke-Stellung um eine Stufe nach oben oder unten verändert. Von der Grundstellung ausgehend, werden alle Töne, ausser den 5 "laut" gestellten, nach oben verändert. Hat ein Ton die Stellung "laut" erreicht, wandert er wieder nach unten bis zur Stellung "leise-leise". Die Reihenfolge der Lautstärkeveränderungen ist vorher ausgelost worden. (Dies könnte auch ein Computer nach dem Zufallsprinzip machen). Die Verteilung der 25 Videobänder auf die 25 Rekorder wird auch vorher ausgelost. Da die Töne innerhalb der einzelnen Bänder in den Lautstärken variieren, ist auch eine "geminderte" Präsentation der Videowand möglich, bei der alle 25 Töne auf einer "normalen" Lautstärke bleiben.
 
Die Inhalte der Bänder:
7 Videos: für Orff und mit im Hintergrund laufender Orff-Musik produzierte
3 Videos: Aufführungen von drei Prozessionstheaterstücken
1 Video: Tape Theater
1 Video: minimal club
5 Videos: geschnitten aus 15 verschiedenen Spielfilmen
5 Videos: geschnitten aus 3 Zeichentrickfilmen, 3 Tierfilmen, 3 Sportübertragungen,
              3 Dokumentarfilmen über Künstlerinnen, 3 Religionsfilmen, die von
              3 Komikerfilmen abgelöst werden
1 Video: geschnitten aus drei Stummfilmen
1 Video: geschnitten aus 5 Tarzanfilmen
1 Video: geschnitten aus 3 Komikerfilmen
 
Leuchtendes München, Weltstadt der Musik. Paul Neff Verlag, Wien, 1990
Freie Musiktheaterszene in München
 

 

Freie Musiktheaterszene in
München

 
Doch, auch wenn es fast unmöglich erscheint: Münchens Protagonisten gegen ein "domestiziertes, abgepacktes Theater" gelingt es immer wieder, mit ihren Arbeiten an die Öffentlichkeit zu dringen. Alexeij Sagerer und sein proT-Prozessionstheater gehören dazu. "Das Leben besteht zu 90 % aus Musik (und zu 95% aus Politik)", sagt er und entwirft eine konsequent querdenkerische, interdisziplinäre Theaterform, die nicht so sehr das Genre Musiktheater meint, sondern das Stilmittel Musik als Katalysator und Ausdrucksfaktor für ein eigenes, individuelles Kulturgefühl verwendet. "proT mit Satie", ein 1985 in der damals noch existierenden proT-Halle konzipiertes neunzehnstündiges Ritual, folgte dabei einem strengen, von Saties 840mal wiederholten "Vexations" aus "Pages Mystique" bestimmten Zählsystem. Stumme Spiele, die dargebotenen Speisen, die Anzahl der Zuschauerstühle, die jeweilige Spielzeit der sich abwechselnden vier Pianisten, alles korrespondierte mit dem Rhythmus der Klaviersequenz und wurde für die Anwesenden "ein wundersam befremdendes Ereignis, das die eingeübten Kunst-, Seh-, und Konsumgewohnheiten, wohl auch eigene Rhythmen, aufweichte, sie verwandelte in eine ungemein lässige, von jedem selbst zu bestimmende Sensibilität und Qualität der Wahrnehmungen" (AZ-Kritik).
 

"  proT trifft Orff    Wir gratulieren  ", 1985.

Herausfordernd stellte sich Sagerer zum 90. Geburtstag des Komponisten in einer vom Kulturreferat in Auftrag gegebenen Arbeit "proT trifft Orff" dessen großem Wurf, den "Carmina Burana". Fünf lebende Schweine tummelten sich in der Black Box im Gasteig. Sie unterliefen, zusammen mit den d'Orff-Trotteln, Orffizieren, einem Orffwurm und mit Orffschützern ohrenbewehrten Schlagzeugern in komisch-grotesken, aber auch polemisch-doppelbödigen Spielszenen das Pathos der "mittelalterlich-deutschen Kulturgenüßlichkeit" und die Rituale der selbstgefälligen "geschlossenen Öffentlichkeiten". 1989 wartete er mit dem Stück "Comics I in Oper/Tödliche Liebe oder Eine zuviel" auf, das, laut SZ-Kritik, "das musikalische Theater in seinen Grundfesten erschüttert... Sagerer hat sich ein Grundprinzip der Oper sehr zu Herzen genommen: Repetition und Variation... Das musikalische Drama ? eine einzige Wiederholung, auf den Flügeln des Gesangs hinaufgetragen in die dünnluftigen Regionen des Absurden. Hier braucht keiner mehr Opernhäuser in die Luft zu sprengen, das destruiert sich von innen heraus."  
BRIGITTE KOHL
AUGUST EVERDING (Hrsg.)
 
Das Kunst-, Film- und Theaterprojekt

proT trifft Orff

- wir gratulieren


Carmina Burana trifft den Tieger von Äschnapur
 
 
 
 

Zahltag der Angst - Intensitäten


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Zahltag der Angst - Intensitäten


Film auch für Kino - U-Matic Highband - Farbe/Ton - 00:31:16 Std. - Prod. proT - 1981
 

 

 
Der Film Zahltag der Angst - Intensitäten ist auf U-Matic Highband gedreht, also "Videokunst". Gleichzeitig ist er aber auch wie "Kino" gedacht. Er entsteht während der Arbeit an der Theaterproduktion "Zahltag der Angst - Vorwurf auf den Tieger von Äschnapur Unendlich". Gleichzeitig ist er eine von der Theaterproduktion unabhängige Komposition aus 51 kurzen Filmen von jeweils 31 Sekunden. Zahltag der Angst - Intensitäten konfrontiert die "Intensität" verschiedener Unmittelbarer Bewegungen, Materialien und Inhalte miteinander: Personen, Gegenstände, Farben, Licht, Musik, Geräusche, Sprache, Texte, Abläufe. Von Juni 1982 bis März 1983 ist Zahltag der Angst - Intensitäten Teil der Videoausstellung "Videokunst in Deutschland 1963 - 1982" (Ausstellungsorte: Kölnischer Kunstverein, Badischer Kunstverein Karlsruhe, Kunsthalle Nürnberg, Städtische Galerie im Lenbachhaus München, Nationalgalerie Berlin).
Drei Frauen: Cornelie Müller, Brigitte Niklas, Agathe Taffertshofer. Eine Stimme: Telse Wilhelms. Interview: Alexeij Sagerer mit Herrn Lazarowicz, dem Leiter des Theaterwissenschaftlichen Instituts der Ludwig-Maximilian-Universität in München. Videotechnik: Vips Vischer. Ein Film von Alexeij Sagerer.
 
 
Unter dem Titel Zahltag der Angst entstehen 1981 im proT die theatrale Komposition Zahltag der Angst und gleichzeitig die Filmkomposition Zahltag der Angst. Beide Produktionen sind von Alexeij Sagerer komponiert aus Intensitäten und entstehen in einem Prozess, der auf derselben Konsistenzebene stattfindet. Trotzdem werden keine Intensitäten doppelt benützt, das heisst es entstehen keine Filmbilder, die aus den theatralen Abläufen stammen oder umgekehrt. Dabei läuft ein anderer künstlerischer Prozess als 2006-2016 in der Horizontalen "Programm Weiss" und dem "Unmittelbarem Film".
 
 

MÜNCHEN Montag, 19. Oktober 1981

 

Mit nackter Haut


"Zahltag der Angst" von Alexeij Sagerer im proT

In seinem Theater mag Alexeij Sagerer nicht mehr spielen: da hat er diesmal einen Warteraum wie für das Nachtlager von Granada eingerichtet. Der "Zahltag der Angst" ereignet sich wieder, wie sein letztes Opus "Münchner Volkstheater", im ehemaligen Foyer des proT. Die Stühle für die Zuschauer sind schön an der Wand entlang aufgereiht: So hat jeder alle anderen und zumindest eines der Fernsehgeräte im Blickfeld. Der Anti-Theatermacher Sagerer hat ja nie nur Theater gemacht, sondern von Anfnag an auch ("Comic"-)Filme: jetzt, mit der Videokunst, bringt er beides zusammen. Da kann er die "Wirklichkeit" in den "Kunstraum" holen. Tabuisierendes, die Schamgrenzen Überschreitendes oder recht komische professorale Theaterdialogdokumente. Mit seinen Videos kann er seine geschichtenverweigernde Theaterphantasie durchbrechen, nach außen fortschreiben und fortträumen.
 
In "Zahltag der Angst" versetzt Sagerer die Zuschauer mit Urweltpaukenklängen und rasenden Lichtbändern mitten hinein in den "Krieg der Sterne": Rüstungsträger trippeln durch den Raum, holde Wesen schweben mit Leuchtröhren vorbei, die Farben jagen sich wie bei einer Lichtreise ans Ende der Dinge. Langsam entstehen dann "Bilder", kommen Figuren ins Spiel, indem Sagerer - zuerst als Schlagzeuger im Rollstuhl von zwei Krankenschwestern in den Raum gebracht - wieder kräftig und mit phantasievollem Ingrimm gegen die konventionellen Theaterphilosophien zu Felde zieht: indem er das professionelle Theater-Abc verweigert, eben nicht Schauspieler einen vorgegebenen Text vor Zuschauern spielen lässt und trotzdem und gerade nichts als Theater bietet - in wunderlich schönen Bildern. Etwa wenn Agathe Taffertshofer mit einem Kerzenleuchter zu Maria Callas' zersprungen gesungener Bellini-Arie wie im Traum tanzt. Oder in sehr komischen Szenen, wenn Sagerer selbst demonstriert, was Playback bedeutet. Kaugummikauend und mit seinen sehr langen Haaren im Kampf tritt er vors Mikrophon, bekleidet nur mit einer Trachtenlederhose und einem Cassettenrecorder; den hält er ans Mikrophon, lauscht kenntnisreich und mit Stolz den Klängen und gestaltet die Nummer mit erfühlten Placierungen des Recorders vor dem Mikrophon. Ein Auftritt, der diesem Theaterdenker und Volksschauspieler wie "auf den Leib geschrieben" ist. Was das aber wirklich bedeutet, das demonstriert er dann genüsslich an seiner Mannschaft auf nackter Haut.
 
Sagerer und sein proT haben sich weit abgesetzt von übrigen Münchner Theatern - auch vom FTM. Ganz auf sich allein gestellt, zieht man in diesem kleinen Kellertheater gegen den Rest der Welt und fürchtet sich nicht.
 
THOMAS THIERINGER
 
 
Verkuendigung
 
 
Verkuendigung
 
 
 
Die 11.000 Euro Kanne
BLAU

 

 

Am 28. Juni 2024 verkauft das proT für 11.000 Euro die signierte Alexeij Sagerer Kanne BLAU.


 

 

 

 

Und die Blaue 11.000 Euro Kanne vertritt die Organisationshoheit des proT und spricht! Alles sind Konsistenzebenen und Kompositionen und dabei arbeitet die Lebendigkeit mit der Einmaligkeit und jede dieser einmaligen Konsistenzebenen entsteht in einem Prozess durch Prozessionstheater und jetzt erscheint das Theater des Aussen und es kommt ungefragt und unberechenbar und nur so entsteht es, das Unmittelbare Theater.


 

 

 

 

 

 

Die 11.000 Euro Kanne in BLAU ist Unmittelbares Theater. Sie propagiert nicht das Andere, sondern sie ist das Andere.


 

 

Die Alexeij Sagerer Kanne BLAU steht für die Präsenz des proT und für die Entwicklung der proT-homepage als eigenständiges Projekt. Möglicherweise stellt sie das proT-Archiv vor. Und spielt mit der Vorstellung von "Das Unmittelbare Theaterblut aus der Penisvene" als proT-Produktion.

 
 
Verkündigung Künstler Politiker
 
 
 
Die 7000 Euro Kanne
ROT

 

Am 7. Mai 2023 verkauft das proT für exakt 7000 Euro die erste Alexeij Sagerer Kanne.
Die Kanne ist ROT
und signiert mit AS 2023.


 

 

 

 

 

 

Der Beginn:
Die 7000 Euro Kanne steht voll hinter proT und der Arbeit von Alexeij Sagerer. Pfingsten 2023, die Kanne beginnt zu sprechen und wird auch gehört.

 
Verkuendigung
 
 
Die 7000 Euro Kanne
ROT
Fortsetzung 1

 
 

Vor etwa einem Jahr - im Mai 2022 - es ist die Zeit um die Eröffnung der Ausstellung "Die Lust am anderen Theater" (freie darstellende Künste in München) des Deutschen Theatermuseums, leitende Kuratorin: Birgit Pargner, wird offensichtlich versucht, von angelernten Theatermachern und Kulturverwaltern durch "üble Nachrede" Unsicherheit über die Arbeit des proT und Alexeij Sagerer zu streuen. Dabei fallen Namen wie Ute Gröbel, Benno Heisel oder Michael Ott als Autoren. Personen, die offensichtlich ihre Rolle als relevante Kunstkritiker und Theatererkenner masslos überschätzen.


 
 

Dazu versichert die 7000 Euro Kanne allen Interessierten hier verbindlich: Niemand, der die Arbeit von Alexeij Sagerer (oder irgendjemand anderem) schätzt, muss sich vorher bei Gröbel, Heisel oder Ott die Berechtigung oder den Segen dazu einholen.


 

Hierzu präsentiert die Kanne auch einen kurzen Ausschnitt aus unserer Präsentation der Ausstellung im Deutschen Theatermuseum vom 04.05.-31.07.2022:

 
 
proT und
"Die Lust am anderen Theater"

 
 
proT Theatermuseum 2022 - Die Lust am anderen Theater
 
 
 
 
proT Theatermuseum 2022 - Die Lust am anderen Theater
 
 

Die Ausstellung wird begleitet von der 256-seitigen Publikation
Die Lust am anderen Theater
Herausgegeben von Dr. Birgit Pargner, Henschel Verlag 2022


 
Mit drei Texten zur Arbeit von Alexeij Sagerer und das proT:
 

Helmut Schödel
Das Es-ist-was-es-ist-Theater des Alexeij Sagerer


 

Egbert Tholl
Alles gehört zusammen. Alexeij Sagerer und sein Theater der Unmittelbarkeit


 

Birgit Pargner
Alexeij Sagerer - immer wieder ein Erlebnis


 
 
Verkuendigung - Neid
 
Die 7000 Euro Kanne
ROT
Fortsetzung 2

 

 

"Also, ich frag mich ja schon, wie der Sagerer das wohl macht, dass in seinem Stück "Liebe mich! Wiederhole mich!" drei Frauen nackt auf der Bühne sind."  

Aufgeschnappt, München, 04. Mai 2022
 

 

Obwohl inzwischen, vor allem bei angelernten Theatermachern, wachsende Unsicherheit über die Erscheinung von Nacktheit herrscht, präsentiert "Die 7000 Euro Kanne - ROT" die proT-Produktion "Liebe mich! Wiederhole mich!" mit dem Unmittelbaren Film "Liebe mich! Wiederhole mich!" und einem Textausschnitt in Blau von Birgit Pargner zu "Liebe mich! Wiederhole mich!" aus der Publikation des Deutschen Theatermuseums "Die Lust am anderen Theater - Freie darstellende Künste in München" auf der proT-jetzt!:

 
 
Liebe mich!
Wiederhole mich!

Unmittelbarer Film - DV-SD - Farbe/Ton - 01:41:10 Std. - Prod. proT - 24.02.2016
 
 
Der Unmittelbare Film Liebe mich! Wiederhole mich! entsteht mit dem Film- und Theaterprojekt Liebe mich! Wiederhole mich! am 24. Februar 2016 im proT auf "Die Säulenhalle", München. Mann: Johannes Oppenauer. Frau in Weiss mit Schleier: Judith Gorgass. Frau in Weiss und Rot: Stephanie Felber. Frau in Weiss Kameraperformance: Anja Uhlig. Live-Bildschnitt: Christoph Wirsing. Kamera: Ludger Lamers, Anja Uhlig, Alexeij Sagerer. Film-/Raumton-Regie: Philipp Kolb. Ein Film von Alexeij Sagerer.
 
 

 
Und worum geht es bei Liebe mich! Wiederhole mich!. Um die Nacktheit. Um das Sterben als fortschreitende Nacktheit und um die Nacktheit als Berührung. Wobei die Nacktheit des Mannes ihn von innen nach aussen berührt. Die Nacktheit und die Berührung als Komposition. Und der Mann berührt sich von innen während er stirbt. Und der Mann wird nackt von innen während er stirbt. Das Sterben berührt den Körper von innen und zwar überall. Es ist eine dauernde Bewegung. Milieuwechsel! Und der Mann weiss, dass er stirbt und dabei von innen heraus nackt wird und gleichzeitig Teil einer theatralen Komposition ist. Und er weiss um die nackten Körper der Frauen, die sich berühren und dadurch auch Teil dieser theatralen Komposition sind. Und der gestorbene Körper ist der nackteste Körper in dieser Komposition.
 

 
Und gegenüber die drei Frauen. Ihre Nacktheit berührt sie von aussen. Und es sind drei verschiedene Berührungen. Drei verschiedene Nacktheiten. Und ihre Nacktheiten stellen mit der Nacktheit des Mannes die theatrale Komposition her. Und es sind drei verschiedene Nacktheiten der Frauen. Die in den Raum gestellte Nacktheit der stehenden Frau. Die Nacktheit der Frau, die sich selbst berührt und nur bei sich selbst bleibt, während sie öffentlich ist. Und die betrachtende Nacktheit der Frau mit der Kamera, die nackt ist und gleichzeitig die Nacktheit sieht und ebenfalls öffentlich ist und gleichzeitig die theatrale Komposition herstellt. Und es geht um die Unvergleichlichkeit der Nacktheit.
 

 
Birgit Pargner

Alexeij Sagerer - immer wieder ein Erlebnis


in: Publikation des Deutschen Theatermuseums "Die Lust am anderen Theater - Freie darstellende Künste in München", Henschel 2022, 256 Seiten. S. 44-50.
 
(...)
 
Körperlichkeit und Bewegung als künstlerische Ausdrucksmittel sind wichtige Elemente in Sagerers Theater- und Kunstauffassung. Mit dem Element der extremen körperlichen Verzögerung tritt ein Mittel zur Steigerung der Intensität und zur Sichtbarmachung von sich vollziehenden Vorgängen oder Zuständen hinzu. Auch in Programm Weiss, das sich über die Jahre 2005 bis 2016 erstreckt, besonders aber im dazugehörigen letzten Teil Liebe mich! Wiederhole mich! schafft Sagerer mit dem, was er herstellt, viele Intensitäten und Bewusstseinsebenen gleichzeitig.
 
Uraufgeführt in der Säulenhalle an der Arnulfstraße geht es darin um die Sichtbarmachung der simultan stattfindenden Prozesse des Lebens und Sterbens. Das bestimmende Element aller Bewegungen auf der Bühne, die einer ständigen Wiederholung untergeordnet sind, ist die extreme Langsamkeit aller körperlichen Bewegungen, die in Zeitlupentempo ablaufen. Die stumme Performance findet auf jenem stegartigen roten Podest statt, wie es uns schon aus dem Nibelungen & Deutschland Projekt bekannt ist. Am hinteren Ende des Steges befindet sich ein großer Raum aus Glas. Es ist jener Raum, in welchem drei junge Frauen agieren: Eine von ihnen betritt zu Beginn zielstrebig diesen Raum, zieht sich nackt aus und ergreift eine Kamera, um damit bis zum Ende der Aufführung die beiden anderen Frauen zu filmen. Die Braut mit Schleier und ihre Brautjungfer - selbst im weißen Kleid - beginnen die Aufführung mit ihrem extrem langsamen und barfüßigen Entlangschreiten auf dem roten Steg außerhalb des Glaskastens an den etwas unterhalb sitzenden Zuschauern vorbei, die Braut voran - sie trug übrigens das Brautkleid von Sagerers Mutter -, hinter ihr die ebenfalls weißgekleidete Brautjungfer, die ihr den Schleier trägt. Nach wenigen Schritten beginnt die Brautjungfer dicht am Körper der Braut langsam und spielerisch deren Kleid bis über Scham und Po zu schieben. So bleiben sie dann kurz vorm Publikum stehen, um in diesem Bild zu verharren. Dann gehen sie im gleichen langsamen Tempo in umgekehrter Reihenfolge zurück zum Glasraum, diesmal wird der Körper der Brautjungfer von der eng hinter ihr schreitenden Braut auf dieselbe Weise entblößt. Über allem liegt die sakrale Feierlichkeit eines Gottesdienstes.
 
(...)
 
Alle intimen Momente und Bewegungen der Frauen, die die Kamerafrau in Nahaufnahmen von der Braut einfängt, sind unterhalb des Bühnensteges auf zahllosen Bildschirmen für die Zuschauer sichtbar: etwa ihr nackter Fuß auf dem roten Boden, der unter dem Brautkleid hervorlugt; ihr allmähliches Sich-Ausziehen, ihre dunklen Haarsträhnen auf der weißen Spitze ihres Kleides und auf ihrer nackten Haut, schließlich das Räkeln ihres nackten Körpers auf dem roten Boden, ihre Finger, die langsam und in lustvoller Selbstversunkenheit bis zur Scham vorgleiten.
 
Die Braut als das personifizierte Lebens- und Lustprinzip einerseits und der Sterbende auf der Filmleinwand andererseits bilden die beiden konträren Pole in dieser Aufführung. Die künstlich und künstlerisch hergestellte Gleichzeitigkeit der Vorgänge konnte Sagerer durch die Möglichkeiten des Filmschnitts in seinem Unmittelbaren Film besonders fühlbar machen, indem er das Geschehen auf der Bühne und auf der Leinwand in einer harten Aufeinanderfolge kontrastierender Einblendungen zeigte. Sah man gerade noch eine malerische Nahaufnahme der Nackten im Glaskasten, wird plötzlich das erstarrte Gesicht des Toten eingeblendet, das die Kamera aus unterschiedlichen Perspektiven zeigte, worauf wiederum eine Einblendung des Rituals der Nackten im roten Slip zu sehen ist. Dieses Mittel zeitlicher Überlagerung und Verdichtung sorgt für eine besonders intensive Dynamik, unterstützt von den Wirkungselementen Licht, Farbe, Körperlichkeit und Musik - wie aus weiter Ferne hört man bei Einblendungen des Sterbenden immer wieder Ausschnitte aus der Ouvertüre von Tristan und Isolde und ein mexikanisches Volkslied von der Wirkung eines Klageliedes.
 
Liebe mich! Wiederhole mich! ist eine Arbeit ohne Worte. Es soll keine persönliche Geschichte erzählt werden. Liebe mich! Wiederhole mich! will im ungestörten Besitz der Intensität und Kraft seiner Körperlichkeit bleiben.
 

Das Filmprojekt

Liebe mich! Wiederhole mich!


Unmittelbarer Film - DV-SD - Farbe/Ton - 01:41:10 Std. - Prod. proT - 24.02.2016
 
Das Theaterprojekt

Liebe mich! Wiederhole mich!


Programm Weiss - Sterben und Lebendigkeit
 
Die 7000 Euro Kanne
ROT
Fortsetzung 3

 

 

Die 7000 Euro Kanne, frägt sich, ob durch "die Nähe", das Zusammenwirken der Kulturbehörde der Stadt mit der städtischen Spielstätte "Theater HochX" und dem Verein "Netzwerk Freie Szene e.V.", gefördert von der Landeshauptstadt München, nicht eine Art Blockwartsituation entstanden ist, in der (wem auch immer) "unliebsame" Künstler gemeldet werden können.
Dabei geht es zum Beispiel um Aussagen, die die künstlerische Arbeit von Alexeij Sagerer "indiskutabel" finden, da "ein gewisser Sexismus in seinem Schaffen ganz klar erkennbar ist".

Aufgeschnappt, München, Januar 2023
 

 

Darauf antwortet die 7000 Euro Kanne mit der Frage: "Erfüllt bereits "Rote Wärmflasche tanzt" den Tatbestand von Sexismus?"


 
Rote Wärmflasche tanzt
 
Rote Wärmflasche tanzt ist der Prolog zur Theaterproduktion: "Der Tieger von Äschnapur Drei oder Ich bin imbrünstig mein Alexeij Sagerer". Premiere am 14. Juli 1979, proT, München, Isabellastr. 40. (Kamera: Fips Fischer)
Thomas Thieringer

Tieger von Äschnapur, drei


Alexeij Sagerer im proT


in: Süddeutsche Zeitung, 16. Juli 1979, Feuilleton
 
 
Alexeij Sagerer spielt mit seinem proT (Prozessionstheater) verrückt, phantastisch, radikal monomanisch. Da treibt einer Theaterbilder aus sich heraus, chaotisch perfektionierte, frech verhöhnende, schön komische, sucht Worte dazu, aber unter dem Druck der kunstvollen Anstrengung mißraten sie zu einem erschütternden Gestammel: über Theater, das durch Subventionen konsumierbar gemacht wird, ist kaum mehr etwas Treffendes zu sagen. Sagerer rennt mit einem von Mal zu Mal grimmiger werdenden Mut in seine Stückanfänge - über die er nicht hinauskommt, nicht hinauskommen will, denn sonst geriete er in dramatische Zwänge, unter denen sich alles so leicht erklären läßt: Er zerreißt seine Zuschauer gerne - wie in seinem neuesten "Tieger von Äschnapur"-Programm -- in diesem Möcht'-gern-was-nach-Hause-tragen-Bemühen; rechts zeigt er dem wie für eine Beschwörung sich gegenübersitzenden Publikum den brennenden "göttlichen Osterhasen"(aus Achternbusch), sich selbst dann als fanatisch durch den Wald rasenden Sandbahnfahrer, und links wirft er die alle Interpretation ad absurdum führenden Kommentare an die Wand, während der Alleindarsteller Sagerer im Wilderer-/Jägerkostüm fasziniert den Gang des Sekundenzeigers verfolgt: Sagerer, der "permanente" Tiegerjäger, der die bei Erfolg versprochene Prinzessin weiter denn je aus den Augen verloren hat. Oder ist dieser entsetzensvolle Kreuzigungsgang - Sagerer macht ja Prozessionstheater - wo man ihm das "Just married" ins Rückgrat gehauen hat, auch anders zu deuten (?!) -, daß er nämlich seine Prinzessin - unglücklicherweise - gewonnen hat.
 
Seit Anfang 1977, seit seiner ersten "Tieger von Äschnapur"-Prozession ("Ich bin die letzte Prinzessin aus Niederbayern") rennt er seinem Jagdglück und dieser seiner Theater-Dulcinea nach, durch dick und dünn - will sagen, volkstheaterkomisch und multimedial überspannt: Heute, bei seinem vierten "Tieger"-Lauf (der nullte wird mitgezählt) ist Sagerer grimmiger, radikaler und präziser in seiner Auseinandersetzung mit dem Theater als je zuvor. Den absurden Volkstheaterzauber - den sein "Ensemble" so wunderbar augenrollend-dumpf beherrschte - hat er sich mehr und mehr verkniffen und seine Theatergruppe hat er bis auf sich selbst abgebaut - "Ich bin imbrünstig mein Alexeij Sagerer" nennt er ja deshalb diese Prozessionstheater-Folge - wohl auch, um auf die, der Kunst gewiß nicht dienlichen Organisations-Subventions-Methode des neuen Stadtrats aufmerksam zu machen.
 
Sagerer verweigert sich dieser durch Aufwand zähmenden Vereinnahmung: Das freie Münchner Theater (die unabhängigen Bühnen) seien nicht entstanden, um nun mit angeblich das Überleben in Unabhängigkeit garantierenden Subventionen in Unfreiheit (die Gunst von Gönnern) zu geraten. Er ist auch nicht bereit, als Theaterlückenbüßer gegängelt zu werden und wehrt sich nun mit einem anarchistisch verspielten Mut zur selbständigen Theaterkunst. Theaterlücken, die durch ein fehlendes Volkstheater bestehen, sollen auf keinen Fall geschlossen, sondern zum "Durchsteigen benützt werden - sagt und schreibt er - oder wenigstens zum Durchschauen." Er will jedenfalls nicht "eingemauert" werden, will den Durchblick offen halten: Sein "Ich bin imbrünstig mein Alexeij Sagerer" ist radikales Total-Theater über das Theater, ist, unter dem Titel einer monomanischen Selbstbeschränkung, der Kampf gegen die Windmühlen theatralischer Eitelkeiten. Am Anfang kämpft er noch mit seiner grausam-komischen, oft ins Häßliche verliebten Phantasie: Da läßt er einen "kleinen Wassersack", auch als Wärmflaschen bekannt, von der Wand herunter eine köstlich auf Bedeutung getrimmte Blubberredearie "singen"; die windet sich, bäumt sich auf, plustert und plappert und schlägt einfach ihr Wasser ab, so daß Herkules Sagerer diesen Theaterstall mit wunderlich quietschenden Plastikschneeflocken auszumisten hat. Doch alle Kunstanstrengung will nichts nützen. Am Ende nach einer offen-bacchiadischen, von Alltagslärm martialisch gefährdeten Posaunerei, liegt Sagerers Tiegerjäger mit vor Anstrengung zerstörtem, schweißnassem Gesicht erschöpft "im Bett", über sich, übermächtig (als Film), an die Wand geworfen fast zwei Dutzend Münchner Theaterleiter bei ihren Interviewversuchen, sich auf Sagerers Fragen über ihr Theaterverständnis zu äußern; mit einem reinen, weißen Damastband knüpft Sagerer schließlich die Brücke zum blubbernden Beginn ...
 

Der Tieger von Äschnapur Drei oder
Ich bin imbrünstig mein Alexeij Sagerer


1979-1985, UA proT, 14. Juli 1979
 
Die 7000 Euro Kanne
ROT
Der Abschied

 

 

Die 7000 Euro Kanne ROT verabschiedet sich mit folgenden Sätzen:
 
Das Theater des Aussen - also das Unmittelbare Theater, das andere Theater - denkt nicht in Endlösungen, also ist nicht Repräsentation, sondern unberechenbar und kommt ungefragt in die Welt - und dies ist nur möglich, da es auf seiner Organisationshoheit besteht - und zwar uneingeschränkt!
 
Es ist keine Meinungsschiessbude sondern Prozessionstheater, das heisst, es bewegt sich in Prozessen wie das Leben selbst in Einmaligkeiten, also in unzähligen einmaligen Kompositionen, denn jede Einmaligkeit ist eine Komposition entstanden aus einmaligen Kompositionen.
 

 
Aber gegen weitere Angriffe auf das andere Theater wartet bereits in Niederbayern, bei dem Bildhauer Peter Bauer die 11 000 Euro Kanne BLAU.


 
Verkuendigung
 
 
Externe Bios, Archive,
Preise und Texte
 

Theaterpreis der LH München 


Alle drei Jahre verleiht die Landeshauptstadt München den Theaterpreis für das herausragende Gesamtwerk.
Alexeij Sagerer erhält diesen Preis 1997 als erster Vetreter der Freien Szene.
 

Theaterpreis der LH München 1997 an Alexeij Sagerer als ersten Vertreter der "Freien Szene"


 
 
 
Theaterpreis 1997
 
 

Der Stadtrat der Landeshauptstadt München verleiht den Theaterpreis '97 an


Alexeij Sagerer


 
 
Seit 1969 macht Alexeij Sagerer in München sein "Prozessionstheater" sein - unmittelbares Theater -. Sagerer ist der gewiß eigenständigste, eigenwilligste Theatermacher in der freien Szene der Stadt. Bei fast allen seinen Produktionen ist er Autor und Regissuer, meistens wirkt er auch als Schauspieler mit.
 
SAGERERS Theater war von Anfang an ein "Raumtheater" bei dem die Gestaltung des Raumes und die Nutzung des Raumes wesentliche Voraussetzung des Spiels im Raum ist. Dazu gehört auch die genau kalkulierte Zuordnung von Schauspielern und Spielfläche(n). Der Darsteller im "unmittelbaren Theater" ist meist nicht allein Rollenspieler, sondern fast stets auch mit seiner ganzen physischen u. psychischen Persönlichkeit gefordert. Sagerer selbst realisiert dieses Prinzip wohl am extremsten, wenn er in den von ihm verkörperten Figuren immer wieder seine eigenen Grenzen auslotet. Aber auch an alle anderen am Werk Beteiligten stellt er hohe Anforderungen, die sie zu erfüllen bereit sind.
 
So ist unmittelbares Theater, wie Sagerer selbst sagt, "eigentlich ein Theater der Erfahrung" - für alle Beteiligten. SAGERERS Arbeiten sind genau kalkulierte szenische Werke, deren Ablauf z.B. durch exakte Zeitstrukturen bestimmt sein kann. Sowohl Sagerers Theaterarbeit insgesamt als auch die einzelnen Produktionen sind theoretisch fundiert, seine oft vielleicht eigenwilligen, sehr eigenständigen Gedanken zum Theater zeugen auch von einem genauen, tiefen Theaterverständnis.
 
 
Noch erscheinen in der Erinnerung - und erweisen sich auch in der Wiederaufnahme - frühe Arbeiten Sagerers als lebendig und wirksam. Er selbst hat aber in den nun bald 30 Jahren seiner Tätigkeit in München stets im Raum seines Theaterkonzepts neue Wege gesucht, zumal im Experiment mit neuen Darstellungsmitteln, wie - schon früh - Film und Video. Im Zentrum von Sagerers Theater aber steht fast durchweg der Mensch - auf der Bühne und als Zuschauer. Der Mensch auf der Bühne aber muß nicht immer Schauspieler sein. In seiner jahrelang einen ganzen Monat hindurch allabendlich gefeierten "Maiandacht" präsentierte er jeden Abend einen anderen Gast aus den verschiedensten Kunstsparten oder auch Berufsgruppen. Und jeden Abend verlief die "Feier" - verändert durch die Individualität und die Kunstform des gastierenden Künstlers bzw. der gastierenden Künstlerin - anders, auch wenn das Ritual des Rahmens von den Mitgliedern des proT jeweils gleich gestaltet wurde.
 
Sein "Nibelungenprojekt" hat Sagerer über Jahre hinweg verfolgt, es eröffnete ihm die Reithalle in der Heßstraße, die Muffathalle und schließlich auch das Marstalltheater des Bayerischen Staatsschauspiels. SAGERER wuchsen die Rosen der "tz" zu und leuchteten die Sterne der "Abendzeitung".
 
 
Die Zeiten sind wohl endgültig vorbei, in denen er aus der Realität seines Theateralltags erklärte: "Wir spielen auch vor einem Zuschauer - wenn er da ist." Und Sagerer hat sich an dieses Prinzip gehalten. Mit einer bemerkenswerten Mischung aus Chaos und disziplinierter Konsequenz - im Leben, im Denken und Arbeiten - ist es ihm gelungen, sein Theaterkonzept als einen der wesentlichsten Bestandteile Münchner Theaterkultur zu etablieren.
München, Oktober 1997
Christian Ude / Oberbürgermeister
 
 
Theaterpreis 1997
 
 
 
Verkuendigung
 
 

"Alexeij Sagerer - Künstlerische Biografie"


von Ralph Hammerthaler, Verlag Theater der Zeit Berlin, 2016
 
 

AAP Archive Artist Publications


Archiv für Künstlerbücher - Alexeij Sagerer

LENBACHHAUS Collection


Online-Katalog der Ankäufe des Lenbachhauses München - Alexeij Sagerer

IASLonline Diskussionsforum


"Wiener Aktionismus und Aktionstheater in München", Vortrag Thomas Dreher

Internationales Biographisches Archiv


Munzinger - Personen: Alexeij Sagerer

Wikipedia - Die freie Enzyklopädie


Alexeij Sagerer

sub-bavaria - Alexeij Sagerer


das Wiki-Lexikon der bayerischen Subkulturen

sub-bavaria - Leute & Szenen - proT


das Wiki-Lexikon der bayerischen Subkulturen
 
 

proT-way-MANIFEST


Prozessionstheater Urtext (02.11.1974)
Prozessionstheater ist eine einzige Bewußtseinserheiterung ...
 

 

proT-way-melodie
                          proT-way-manifest


proT-Produktion 1 (1975) - Schallplatte


 
Technik: Heinrich Tichawsky - Studio Ebenhausen
Titelbild: Aus dem Film "Aumühle"
Produktion: proT, 8 München 40, Isabellastraße 40
 
Schallplatte
 
Schallplatte
 
 
Das Theater des Aussen kann nicht durch Theatervereine begriffen werden und schon gar nicht durch die ewiggestrigen Angeber, die behaupten "Gebt mir 10 oder 100 Millionen und ich mache euch das Theater der Zukunft". Wer meint, heute schon das Theater von morgen zu kennen, macht lediglich das Theater von gestern.
 
 
Verkuendigung

INNEN UND AUSSEN


Texte zur Produktion von Theater (28.04.2000)


 

 
In gewisser Weise kann man unmittelbares Theater und domestiziertes Theater mit der Wildsau und dem Hausschwein vergleichen. Wo das eine sein Sausein austrägt, trägt das andere Schnitzel. Oder. Das Unmittelbare Theater ist nicht der 'Humus' des domestizierten Theaters. Ebensowenig wie die Wildsau der 'Humus' für das Hausschwein ist. (AS 1996)

 
 
Das Werden

 
 
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"Wohin mit der Kultur ...."


 
 
neu auf Youtube!

Referat am VierVideoTurm


DokuMaterial - gedreht mit Video8 - 00:13:55 Std. - Gasteig Black Box am 07.06.1989
 

 
Das Unmittelbare ist so notwendig wie das Wasser und es ist noch flüssiger als Wasser, geradezu über-flüssig. Das Unmittelbare steckt in allem, auch wenn es nicht mehr in seiner Über-Flüssigkeit erkannt wird - auch hier ist es dem Wasser ähnlich. Kurz gesagt: das Unmittelbare Theater ist notwendig, da es überflüssig ist.
 
Das DokuMaterial Referat am VierVideoTurm ist der vierte und fünfte Teil eines "Konzertes am VierVideoTurm" mit dem Titel Referat am VierVideoTurm innerhalb der Rede-Reihe "Wohin mit der Kultur in München?", Folge 6 am 07. Juni 1989 in der Black Box, Gasteig, München, veranstaltet vom BECK FORUM. Synchronisator: Sieben gemalte Filme. Das DokuMaterial ist mit einer Video8 Kamera aus dem Zuschauerraum gedreht und ungeschnitten. Mit Alexeij Sagerer. Kamera Dokumaterial: Werner Prökel. proT, 1989.
 
 

Es sind immer schwere Zeiten für das Unmittelbare Theater.


 

neu auf Youtube!

Jürgen Kolbe mit Halle-luja


TheaterDoku - U-Matic - 00:07:32 Std. - proT im Brum's, Dreimühlenstr. 30, 27.03.1990
 

 

.... als die Stadt noch in der Lage war, den Unterschied zwischen Institution und Unmittelbarem Theater, dem Aussen zu denken ....


 
Die TheaterDoku Jürgen Kolbe - Halle-luja ist der vierte Teil des "Vereinskonzert am VierVideoTurm" von Alexeij Sagerer in der Veranstaltungsreihe "proT für die Welt" unter dem Titel "Das letzte alte Bier" im Brum's, Dreimühlenstraße 30, München mit dem ehemaligen Kulturreferenten Jürgen Kolbe. Das "Vereinskonzert am VierVideoTurm" gehört zu den Konzerten am VierVideoTurm. Jedes Konzert am VierVideoTurm dauert sieben mal sieben Minuten und wird synchronisiert durch sieben gemalte Filme. Kamera: Christoph Wirsing. proT 1990.
 
 
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Die Freiheit der Kunst
 

Warum kann Alexeij Sagerer sich sich selbst immernoch leisten


Kommentar von Alexeij Sagerer zu Nachtkritik.de "Ein armes Leben im reichen", Sabine Leucht (20.03.2018)
 
proT Alexeij Sagerer by Christa Sturm
 

Sabine Leucht, Nachtkritik.de, 20.03.2018


 
"(...) Vernetzung versus Münchner Mentalitäten
 
Als sich Anfang 2017 das Netzwerk Freie Szene München gründete, war es im Vergleich zu anderen Städten spät dran. Noch mehr verwundert, dass es überhaupt zu einer gemeinsamen Interessenvertretung gekommen ist. Denn die Tanz- und Theatermacher dieser Stadt lassen sich schon aus Prinzip ungern über einen Kamm scheren. "Freie Szene?", schnaubte vor Jahren Alexeij Sagerer, "Das erinnert an kleine Fische, die sich zusammentun, um wie ein großer Fisch zu wirken." Sagerer, der bereits in den Siebzigern neben Rainer Werner Fassbinder und George Froschers FTM nicht nur Münchner Theatergeschichte schrieb, reicht seit 2016 Projektanträge auf null Euro Förderung ein, weil er die Achtung vor dem ergebnisoffenen Arbeiten von Seiten der zunehmend kontroll- und projektfixierten Kulturpolitik vermisst.
 
Da hat er zwar Recht; doch nur, wer mehr als 40 Jahre kontinuierlich von der Stadt gefördert wurde, kann sich das leisten. Die meisten, die unter dem Dach des Netzwerks für mehr Probenräume, mehr Geld, für Bürokratieabbau und mehr Verständnis für die Prozesshaftigkeit künstlerischen Arbeitens streiten, wagen davon nicht mal zu träumen. Auch deshalb fordert das Netzwerk selbstbewusst eine Vervierfachung der Fördermittel auf zehn Millionen Euro. Wenn man sieht, dass viel weniger reiche Kommunen wie Dresden und Augsburg erst kürzlich die ihren verdoppelt haben, mutet das gar nicht mal so utopisch an. Zumal das Geld sich in München auf mindestens acht feste freie Häuser, sechs Infrastrukturmaßnahmen und drei Jurys verteilen würde, die über die Vergabe von Projektfördergeldern im Bereich (Musik-)Theater/Performance, Tanz und Kindertheater entscheiden. (...)"

 

Alexeij Sagerer, Kommentar auf Nachtkritik.de, 23.03.2018


 
Warum kann Alexeij Sagerer sich sich selbst immernoch leisten...
 
Nein, liebe Sabine, das kann ich mir nicht leisten, weil ich 40 Jahre kontinuierlich von der Stadt gefördert wurde. Wenn es danach geht, kann ich mir jetzt Hartz IV leisten. Wer ist denn dieser Meinung oder wie kommst du zu dieser Meinung, dass man sich "das" nur nach 40 Jahren kontinuierlicher Förderung leisten kann? Da hättest du vielleicht einpaar Zahlen vergleichen sollen.
 
Es wurde auch nicht ergebnisoffen gefördert, sondern am permanent entstehenden Ergebnis entlang gefördert. Es wurde auch nicht einfach kontinuierlich gefördert, sondern eher an diesem permanent entstehenden Ergebnis entlang gekämpft. Und es wurde nicht einfach anonym gefördert, sondern es gab künstlerische Ereignisse und zwar andere als man bisher kannte und man wollte sie haben in dieser Stadt und für diese Stadt.
 
Offensichtlich braucht die Stadt das Andere nicht mehr, weil es das jetzt kennt, und in ihren eigenen Einrichtungen selbst herstellen kann oder durch ihre Einrichtungen kontrollieren will. So bist du jetzt in die Werbung für eine weitere städtische Einrichtung, wie ein Produktionshaus oder was auch immer, als Endlösung für alle unkontrollierten künstlerischen Prozesse, eingestiegen. Das ist nichts Unrühmliches, man sollte aber nicht das eine Andere mit dem anderen Anderen verwechseln und schon gar nicht falsch darstellen.
 
Womit ich wieder zum Anfang meines kleinen Textes komme. Warum kann Alexeij Sagerer sich sich selbst immer noch leisten (und dabei lacht er auch noch), wenn nicht wegen der "40 Jahre kontinuierlicher Förderung durch die Stadt"? Weil er dann doch lieber verreckt als im Falschen, vielleicht, zu überleben! Aber er ist doch immer noch da. Also zum Abschluss noch ein Quiz! Warum verreckt Alexeij Sagerer nicht?
  1. Er bekommt doch Hartz IV.
  2. Er ist ein begnadeter Roulettespieler.
  3. Er hat Glück bei den Frauen.
  4. Der Verein zur Förderung von Unmittelbarem Theater wird total unterschätzt.
  5. Er benützt das Verrecken als Produktionsmittel.
  6. Er hat Fähigkeiten von denen er dir garnichts erzählt hat.
  7. Er dreht sich einfach nicht um.
 

Von der Möglichkeit, ausserhalb des Systems zu stehen.


Ein Interview mit Alexeij Sagerer geführt von Anke Bitter (28.05.2017)
 
proT RoterRaum 1
 
 
 
Verkuendigung

Ja, genau so hab ich mir das gedacht.


München 19.12.2017 ... doch noch eine Antwort von Alexeij Sagerer auf die Email vom 18.10.2017 aus dem Bereich "Darstellende Kunst" des Kulturreferats München und besonders auf den ersten Abschnitt.
 

Text der Email, 1. Abschnitt:


von DarstellendeKunst@muenchen.de
 
"1. Laufende Gesprächsrunden des Kulturreferates mit dem Vorstand des Netzwerks Freie Szene
Seit September finden Gesprächsrunden zwischen dem Netzwerk Freie Szene e.V. und dem Kulturreferat statt, die sich monatlich an dem im April vorgelegten Positionspapier des Netzwerkes orientieren. Anlässlich dieser neuen Entwicklung stellt sich auch die Frage, ob das Netzwerk einen klaren Auftrag aus der Szene als seine Interessenvertretung hat. Dann könnten diese Gespräche zukünftig gegebenenfalls auch die Come Together-Veranstaltungen des Kulturreferats, zu welchem das Kulturreferat die Freie Tanz- und Theaterszene etwa zweimal jährlich über seinen Mailverteiler einlädt, ersetzen.
Wir bitten Sie hierbei um Ihre Einschätzung und Rückmeldung.
"
 

Antwort von Alexeij Sagerer:

 
Ja, genauso habe ich mir das gedacht. Informiert, das heisst wahrgenommen, wird auf Dauer nur, wer in den Verein eintritt. Das Aussen, das Ausserhalb der Institutionen, dort wo die künstlerische Bewegung, das heisst dort wo die nicht berechenbare oder noch schlimmer, die unberechenbare Bewegung stattfindet, wird durch den Begriff "Freie Szene" eingefangen, dann in einem Verein gefasst, quasi zur Institution erklärt, und wer da nicht mitspielt, wird nicht mehr wahrgenommen von der Kulturbehörde. Der ganze Begriff Theater wird durch immer weitere Institutionen kontrolliert; Geld spielt dabei keine Rolle. Geld spielt immer da eine grosse Rolle, bekommt was explosives, wenn es direkt an den Künstler geht. Durch weitere Institutionalisierung wird versucht, das Andere, das Aussen unsichtbar zu machen. In der Realität heisst das auch, dass nur noch "Angelernte Künstler" Zugang zu öffentlichen Mitteln bekommen. Hier braucht man die Künstler nicht einzusperren, hier werden sie unsichtbar gemacht. Während Pseudorevolutionäre mit vergoldeten Arschlöchern in den Institutionen sitzen und die von der momentanen Politik gewollten Parolen wiederkäuen und flotte Sprüche reissen.
 
Wenn eine Gesellschaft beginnt, nach rechts zu rücken, bleibt als erstes die Freiheit der Kunst auf der Strecke, das ist so, da die Kunst keine Lobby hat, daher kann man sie ohne grossen Wirbel verschwinden lassen. Aber die Freiheit der Kunst ist ein Grundrecht und bleibt nicht den, von den Behörden angelernten und geprüften Personen vorbehalten. Die Freiheit der Kunst ist ein Grundrecht, das JEDER besitzt. Es ist schon klar, dass sich eine Mehrheit nicht um Kunst kümmert. Aber jeder weiss, dass sie da ist. Dass ein Ausserhalb da ist, dass es ein Unbekanntes gibt. Dass es lebendig ist und nicht verwaltet. Dass das Leben nicht ein geschlossenes System ist, dem man nicht entkommen kann.
 
Egal wieviele weitere Institutionen und getarnte Institutionen und angeregte oder nicht angeregte Vereine gegründet werden, auch wenn sie das Wort "frei" im Titel führen, es wird nicht freier.
 
Und falls jemand fragen sollte:
  1. Nein, wir haben auch für 2018 keinen Antrag auf Subventionen gestellt.
  2. Nein, kein Verein kann die Interessen von Alexeij Sagerer oder proT vertreten, weder mit klarem noch mit unklarem Auftrag.
 
 
Verkuendigung

Gebt auf, bewerbt euch bei den Institutionen!


Ein Interview mit Alexeij Sagerer von Simone Lutz (01.12.2015)
 
proT Pferdekopf
 
 
 
Verkuendigung
 
Alles Biographie
 

2022 - "Die Lust am anderen Theater"


Alexeij Sagerer und proT bei der Ausstellung "Freie darstellende Künste in München" 04.05. - 31.07.2022 im Deutschen Theatermuseum in München.
Leitende Kuratorin Dr. Birgit Pargner.
 
 

50 Jahre proT


Die Vier Tage des Unmittelbaren Theaters, 27.-30. Nov. 2019, Muffatwerk München
Die Kunst des Alexeij Sagerer - Film - Diskussion - Theater - eine Veranstaltung des Kulturreferats der LH München
 
 

"Alexeij Sagerer - Künstlerische Biografie"


von Ralph Hammerthaler, Verlag Theater der Zeit Berlin, 2016
 
 

Theater ungleich. Alexeij Sagerer und das Münchner Theater proT.


Miriam Drewes: Vortrag am 3. Nov. 2001 anlässlich des 4. Symposiums zur Münchner Theatergeschichte "Der Autorwille. Wieviel Biografie steckt in der Kulturforschung?".
 

Kompaktbiographie


Alexeij Sagerer, proT
 

Kurzbiographie


Alexeij Sagerer, proT
 
auf proT

Alexeij Sagerer und das proT - BR 1995


16. Januar 1995 (8:49 Minuten)
 

 
"SPIELZEIT - Das Theatertagebuch des Bayerischen Fernsehens"
von Wilfried Passow und Amadou Seitz.
 
auf proT

Das Münchner Theater proT

 

- Goethe-Institut 1993


Deutsches Theater der Gegenwart: Freies Theater, Goethe-Institut München (11:34 Min.)
 

 
"Alexeij Sagerer und sein proT, ein bayerischer Performer von Gottes Gnaden, archaisch, urwüchsig und progressiv zugleich."
 
Buch & Regie: Ulrike Kahle; Kamera: Lothar Wolte; Ton: Udo Radek; Schnitt und Mischung: Matthias Behrens; Herausgeber der Reihe: Michael Merschmeier, Henning Rischbieter; im Auftrag des Theaterreferats, Ute Kirchhelle, Roland Schaffner.
 
 
 
 
 
 
 
SEITEN - ABSPANN
 

proT-the-whole-acts: proT-Filme auf Youtube


Präsentation der proT-Filme, die auf der neuen Youtube-Seite: proT-the-whole-acts seit August 2025 gezeigt werden. Die Filme werden hier einzeln vorgestellt und können auf Youtube abgerufen werden.
 

proT auf YouTube: proT-the-whole-acts


Im August 2025 eröffnet proT eine neue Seite auf Youtube unter dem Titel proT-the-whole-acts. Diese Seite präsentiert - im Gegensatz zu proTshortcuts - künstlerische Kompositionen von Alexeij Sagerer nicht in Ausschnitten sondern in ihrer jeweiligen Länge. Präsentiert werden zum Beispiel Zahltag der Angst - Intensitäten (1981), Siegfrieds Tod - Nibelungen & Deutschland Projekt (1994), proT trifft Orff (1985), Filme aus Der Tieger von Äschnapur (1977-1979) und Unmittelbarer Film: Reines Trinken - Gottsuche (2008), Voressen (2010) und Weisses Fleisch (2012).
 

Lust auf proT - proTshortcuts auf YouTube


proT-shortcuts auf YouTube sind intensive Film-Ausschnitte von oder mit proT: Theaterdokumentationen, live-film, Unmittelbarer Film ... oder kurze proT-Filme wie Film-Comics, Vorfilme, Werbefilme ... Lebendige Präsentation!
 
 

proT auf YouTube: proTshortcuts


Inzwischen über 170.000 Views angeführt von den 4 FAVORITES mit je über 10.000 Aufrufen: Tanz in die Lederhose: 25.854 Views, Vorfilm für Voressen: 17.415 Views, Frau in Rot: 14.799 Views und Ottfried Fischer hustet Alexeij Sagerer: 10.192 Views. (Stand 04.02.2025) und siehe auch Rote Wärmflasche tanzt auf Platz 5 mit überraschenden 8189 Aufrufen, Maiandacht mit 7810 Views, Erste Bierrede zur Kunst mit 5287 Views ...
 
 

Werkverzeichnis I


Alexeij Sagerer, proT  —  Produktionen
 
 

Werkverzeichnis II


Alexeij Sagerer, proT  —  Festivals, Ausstellungen, Screenings, Beteiligungen, Auszeichnungen, öffentliche Ankäufe (Auswahl)
 
 

Werkverzeichnis V


über Alexeij Sagerer, proT  —  Literatur und Presse (Auswahl)
 
 

FILMPRODUKTIONEN


ab 1969 bis jetzt
 
 

FILM UND PRÄSENTATION


ab 1969 bis jetzt
 
 

THEATERDOKUMENTATIONEN


ab 1969 bis jetzt
 
 

proT – jetzt!


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